Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Die Rettung der Post"

Ausgabe vom 11. November 2008

Wien (OTS) - Natürlich kann man die Post, ihre überflüssigen Beamten und Ämter noch retten: 1. Wir verbieten wie Nordkorea E-Mails; dann werden wieder mehr Briefe versandt. 2. Wir verbieten die nächtliche Privatzustellung von Zeitungen; es genügt ja wirklich, diese zum Nachmittagsschläfchen zu bekommen. 3. Mein Lieblingspostamt wird zum Pflichtvorbild; es ist also nur ein Schalter in missmutigem Betrieb, die übrigen Mitarbeiter versorgen die Wartenden mit Analysen zum Fernsehprogramm. 4. Postaktienbesitzer müssen Strafsteuer zahlen, weil sie so blöd waren, sich an einem Staatsbetrieb zu beteiligen. 5. Wir treten aus der EU aus und verbieten jede billigere Konkurrenz zur Post.

Damit ist die Post gerettet. Und Werner Faymanns angetrauter Pressesprecher in der "Krone" darf zugeben, dass der Post-Chef ein SPÖ-Mann ist, und muss ihn nicht mehr auf dem Umweg über eine Ordensverleihung Wilhelm Molterer anhängen.

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Während viele Politiker hechelnd den täglichen Aufregungen nachlaufen, verdient jeder Anerkennung, der Ruhe und Gelassenheit wagt. Heute gilt das Lob Michael Häupl, der es ablehnt, schon Stunden nach dem Begräbnis gleich hektisch einen öffentlichen Platz nach Helmut Zilk zu taufen.

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Der ORF will zwei eher mittelmäßige Kabarettisten, die sich seit langem erfolglos bemühen, heimische Harald Schmidts zu werden, nun zu Märtyrern und damit ein wenig populärer zu machen. Anlass: Sie haben wegen Protesten von Anhängern Jörg Haiders einen Auftritt in Kärnten abgesagt. Zu einer ORF-Diskussion darüber wurde wieder einmal mit 5:1-Schlagseite geladen. Was unbeabsichtigter, aber voraussehbarer Weise einem Haider-Epigonen einen glamourösen Ein-Rechter-gegen-alle-anderen-Auftritt verschaffte.

Dennoch ist das Voltaire-Motto richtig, das von den anderen Fünfen bemüht wurde: "Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung, ich werde aber alles tun, damit Sie diese sagen können." Das ist ein gutes Motto, auch wenn sich BZÖ-Politiker provoziert geben.

Offen bleibt nur, wie das zur Reaktion des ORF passt, der knapp davor einen Publizisten de facto mit lebenslangem Auftrittsverbot belegt hat, weil er zu Barack Obama ähnlich Provozierendes und Dummes (aber ebenfalls nichts Strafbares) gesagt hat wie die beiden ORF-Leute zu Haider.

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