Finanzkrise erreicht Asset-Management, aber langfristig attraktive Aussichten

Wien (OTS) - BCG-Studie zu weltweiter Anlagebranche: Nach einem starken Jahr 2007 ist auch die Anlagebranche in den Abwärtssog der Finanzkrise geraten - Geschäft stabilisieren, aber auch für künftiges Wachstum rüsten

Nach einem ergebnisstarken Jahr 2007 hat die Finanzkrise in den zurückliegenden Monaten die Asset-Management-Branche erfasst - und auch für das Jahr 2009 ist keine Wende zum Besseren in Sicht. Anleger haben ihre Gelder in risikoarme, margenschwächere Fondsprodukte umgeschichtet oder sind in Bareinlagen geflüchtet. Erreichten die weltweit verwalteten Vermögenswerte 2007 noch einen Rekordwert von 59 Billionen US-Dollar, so rechnet The Boston Consulting Group (BCG) im laufenden Jahr mit einem Rückgang auf nur noch 53 Billionen US-Dollar. Dennoch bleiben die langfristigen Aussichten im Asset-Management positiv, so die aktuelle BCG-Studie Winning Strategies in Uncertain Times: Global Asset Management 2008.

"Asset-Manager leiden unter der Finanzkrise. Selbst vermeintlich sichere Anlageklassen wie Geldmarktfonds oder offene Immobilienfonds müssen massive Abflüsse verkraften", sagt Kai Kramer, Partner im Frankfurter BCG-Büro und Mitautor der Studie. "Doch jene Vermögensverwalter, die das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen, ihr Risikomanagement stärken und ihre Kosten senken, werden die Krise zu ihrem Vorteil nutzen können. Viele Investoren, die ihr Vermögen derzeit in Bargeldmitteln als sichere Alternative angelegt haben, werden wieder in aktiv gemanagte Investmentprodukte investieren -sobald das Vertrauen in den Markt zurückgekehrt ist. Und eine alternde Bevölkerung wird auch künftig Anlagelösungen für ihre persönliche Vorsorge benötigen."

Die BCG-Studie analysiert die Trends der Anlagebranche in unterschiedlichen Regionen und liefert eine umfassende Übersicht für mehr als 30 Märkte. Sie basiert im Wesentlichen auf Daten für das Gesamtjahr 2007, als die Folgen der Finanzkrise noch nicht in ihrem vollen Ausmaß sichtbar waren, bezieht aber auch die Entwicklungen in den ersten Quartalen 2008 mit ein.

2007 Rekordjahr in Asien - Indiz für künftige Wachstumschancen

Die Region Asien-Pazifik zählte 2007 mit einem Zuwachs von 27,3 Prozent zu den attraktivsten Wachstumsmärkten für Vermögensverwalter - und wuchs deutlich stärker als Europa mit 5,2 Prozent oder der amerikanische Kontinent mit 11,1 Prozent. Mit Anlagen im Wert von rund 900 Milliarden US-Dollar erklomm China 2007 zum ersten Mal einen Platz unter den zehn größten Märkten weltweit. "Auch wenn die Vermögenswerte in Asien nun dramatisch eingebrochen sind, sind die langfristigen Wachstumschancen für Asset-Manager in dieser Region nach wie vor gut", so Kramer.

Die Reaktion der Investoren auf die Finanzkrise fiel regional bisher sehr unterschiedlich aus. In Europa entwickelte sich der Absatz von Wertpapierfonds seit Ausbreitung der Krise im Jahr 2007 stark rückläufig - Auszahlungen dieser Papiere wurden insbesondere in Spareinlagen angelegt. In den USA und Japan hingegen verzeichneten Geldmarktfonds eine hohe Nachfrage. "Die Anleger zeigen sich auch in der Krise unterschiedlich risikofreudig. Außerdem haben die Banken in Europa ihre Kundengelder vermehrt in Einlagen gelenkt", erklärt Kramer die Ursachen.

Mehr Transparenz im Vertrieb, stärkeres Risikomanagement

Doch die Krise bietet auch Chancen: "Zunächst geht es um eine Stabilisierung des Geschäfts, doch mittelfristig sollte die Vorbereitung für den nächsten Aufschwung in den Vordergrund rücken. Führende Asset-Manager haben eine gute Chance, ihren Marktanteil und ihre Wettbewerbsposition auszubauen", so Kramer. Die BCG-Studie nennt eine Reihe von Maßnahmen: Um das Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen, müssen Asset-Manager im Vertrieb ihrer Produkte transparenter und glaubwürdiger beraten. Ferner müssen sie das Risikomanagement stärken, indem Risikoanalysten und Investmentteams organisatorisch getrennt operieren. Außerdem bieten sich Möglichkeiten für Sparmaßnahmen - wie die nach BCG-Analysen stark variierenden Kostensätze zwischen einzelnen Vermögensverwaltern zeigen.

Wachstumschancen bieten sich durch Akquisitionen - niedrige Bewertungen für börsennotierte Anbieter und Desinvestitionsabsichten größerer Banken schaffen ein günstiges Umfeld. Zudem sollten Asset-Manager ihre Expansionspläne in Emerging Markets weiter verfolgen; zudem könnten sich im Anlagemanagement für ausländische Staatsfonds Neugeschäfte bieten. Die Vermögenswerte in sogenannten Sovereign Wealth Fonds sollen bis 2015 von 3 auf 12 Billionen US-Dollar ansteigen.

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 66 Standorten in 38 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2007 mit 767 Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 361,5 Millionen Euro. Für weitere Informationen: www.bcg.at

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