WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital - von Herbert Geyer

Aber die Telekom zahlt dafür, dass sie daheim bleiben

Wien (OTS) - In den kommenden Wochen - die Vorweihnachtszeit
beginnt ja von Jahr zu Jahr früher - werden wieder auf unzähligen Firmen-Weihnachtsfeiern gewievte Firmenchefs ihren glücklichen Beschäftigen in Festreden versichern, dass sie das wichtigste Kapital ihres Unternehmens sind. Viele verdiente Mitarbeiter werden diese Wertschätzung sogar in Form von Prämien auf ihrem Konto dokumentiert finden.

Bei der Telekom Austria läuft’s andersrum: Da soll heute der Aufsichtsrat sein Plazet für einen Sozialplan geben, mit dem ebenfalls viel Geld an die Mitarbeiter verteilt wird. Aber nicht, um sie zu weiteren Höchstleistungen anzuspornen, sondern, um sie zum Gehen zu motivieren. 500 Mitarbeiter aus der Festnetzsparte sollen damit noch heuer abgebaut werden, insgesamt 2000 bis 2500 bis zum Jahr 2011 - das wäre mehr als ein Viertel der derzeit am Festnetz Beschäftigten.

Damit reagiert die Telekom (siehe auch Interview auf Seite 2) darauf, dass die vom Bund angedachte Beamtenagentur, in der nicht mehr benötigtes, pragmatisiertes Personal aus Post und Telekom zwischengelagert und zu einer anderen Verwendung qualifiziert werden soll, aller Voraussicht nach nicht zustande kommen wird.
Aus Unternehmenssicht scheint das ganz vernünftig: Mitarbeiter, die nicht mehr benötigt werden (oder deren Qualifikation nicht mehr benötigt wird), die aber nicht gekündigt werden können, fallen so nach einer einmaligen Abschlagszahlung dem Unternehmen nicht mehr zur Last, das danach mit günstigeren Personalkosten bessere Gewinne machen kann.

Die Aktion kann natürlich auch kräftig in die Hosen gehen: Da die Teilnahme an dem Sozialplan freiwillig ist, werden diese Einladung vor allem jene Mitarbeiter annehmen, die für sich noch gute Chancen am allgemeinen Arbeitsmarkt sehen - also vermutlich vor allem die Leistungsträger. Bleiben werden die, die solche Chancen nicht haben oder gar nicht wollen, weil sie lieber einen fixen Job mit fixem Einkommen und wenig Arbeit haben.

Ganz abgesehen davon, dass es Vernichtung von Arbeitskraft und Volksvermögen ist, Mitarbeiter dafür zu bezahlen, dass sie daheim bleiben.

Dieser Vorwurf trifft die Manager der Telekom, die - als sie sich um ihre dortigen Posten bewarben - natürlich wussten, dass sie ihren Job mit zu vielen und unkündbaren Mitarbeitern machen müssen. Er trifft aber vor allem die Politiker, die Staatsbetriebe privatisiert haben, ohne sich über die Zukunft der dort Beschäftigten Gedanken zu machen.

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