• 06.11.2008, 18:32:22
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Christen sollen sich in Gesellschaft und Politik zu Wort melden

Bischof Küng beim Gemeinschaftsgottesdienst der österreichischen Bischöfe in der Pfarrkirche von Großrußbach - Landeshauptmann Pröll bei der Feier

Wien, 6.11.08 (KAP) Es ist "dringend notwendig", dass sich Christen
in Gesellschaft und Politik zu Wort melden "und Sauerteig sind in
allen Wirklichkeiten des menschlichen Lebens": Dies betonte der St.
Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng am Mittwochabend beim
Gemeinschaftsgottesdienst der österreichischen Bischöfe in der
Pfarrkirche Großrußbach (Niederösterreich). Die Bischöfe hatten sich
unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn im Bildungshaus
Schloss Großrußbach zu ihrer Herbstkonferenz versammelt. An der
Festmesse, die zugleich auch dem 55-Jahr-Jubiläum des Bildungshauses
Großrußbach galt, nahm auch der niederösterreichische Landeshauptmann
Erwin Pröll teil. Der Bischofsvikar für das Viertel Unter dem
Manhartsberg, Prälat Matthias Roch, betonte in seiner Begrüßung die
zentrale Bedeutung des Bildungshauses für das Weinviertel; viele
spirituelle Impulse seien von Großrußbach ausgegangen.

Bischof Küng erinnerte in seiner Predigt daran, was passiert, "wenn
die Menschen aufhören zu beten und die Gebote Gottes nicht mehr
beachten": "Dann zerbrechen die Familien, alle leiden Schaden, der
Gesellschaft werden tiefe Wunden zugefügt".

Jeder müsse sich heute die Frage stellen, was er tue, damit sich die
Menschen seiner Umgebung "nicht von manchen Trends erfassen lassen,
die von Gott wegführen und mit einem echten Christsein nicht
vereinbar sind". Als Beispiele nannte Bischof Küng "Gewalt und
Pornografie" in Internet und Fernsehen.

Jesus nenne als "logische Konsequenz" der Sorge um das ewige Leben,
das eigentliche Ziel des Menschseins, die Loslösung vom Materiellen.
Ganz im Gegensatz dazu stünden für viele Menschen heute Wohlstand und
Lebensqualität, Gesundheit und Erfolg im Vordergrund, erinnerte der
St. Pöltner Bischof. Für Gott finde sich "wenn überhaupt" höchstens
ein "Platz am Rande". Wenn man Zeit habe, komme man zum Gottesdienst,
wenn Geld übrig bleibe, sei man bereit zu helfen, wenn es leicht
geht, beteilige man sich an Aktionen. Dem stehe der Aufruf des
kirchlichen Gebets gegenüber: "Mach uns hellhörig für unseren Auftrag
in dieser Zeit und gib uns Kraft, ihn zu erfüllen".

Bischof Küng legte auch klar dar, dass es in Hinkunft vielleicht
nicht möglich sein wird, "in jeder Kirche an jedem Sonntag eine
Eucharistiefeier zu haben". Er habe oft den Eindruck, dass alle
wollen, es sollte so "weitergehen wie bisher". Aber die
Lebensverhältnisse hätten sich geändert, auch die kirchliche
Situation sei eine andere geworden. Wörtlich sagte der St. Pöltner
Bischof: "Es mag sein, dass nicht alles so wie bisher weitergehen
kann". Klar sei aber, dass es auch in Zukunft "Orte des Glaubens"
geben muss, "die anziehen, die helfen, Heimat und Halt zu finden,
Hilfe bei Gott".´Klar sei auch, dass jeder, der "wirklich Christ sein
will, "initiativ, aktiv und kreativ sein" muss. Nur gelegentlich bei
einer "frommen Veranstaltung" dabei zu sein, sei zu wenig. (forts)
K200810073
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