Koren: Österreichs Exportzuwachs heuer dreimal so hoch wie BIP-Plus

Exporte nach Nord- und Nordwesteuropa seit Jahren solide - von Gleisanlagen über Nahrungsmittel bis zur weltweit ersten "Saunagondel"

Wien (PWK835) - "Das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl wird einen positiven psychologischen Ruck für die Weltwirtschaft ergeben, auch wenn die Talsohle der Krise noch nicht erreicht ist", sagte Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ, heute (Mittwoch), anlässlich der Außenwirtschaftstagung Nord- und Nordwesteuropa vor Journalisten. Auf die österreichische Exportwirtschaft werde die derzeitige Wirtschaftslage durchaus auch Auswirkungen haben. Nach dem zehnprozentigen Exportwachstum im Vorjahr erwartet Koren für heuer einen Anstieg der österreichischen Ausfuhren von etwa fünf Prozent. "Damit wird das Exportplus immer noch mindestens dreimal so hoch sein wie das BIP-Plus", so Koren.

Die Ausfuhren in die Länder Nord- und Nordwesteuropas sind von der derzeitigen Krise noch nicht wirklich betroffen, legten im ersten Halbjahr 2008 um 3,6% zu und machen konstant seit Jahren über 10% aller österreichischen Exporte aus. Das Ausfuhrvolumen in die 14 Länder der Region (von Großbritannien, über die Beneluxstaaten und Skandinavien bis ins Baltikum) machte in diesem Zeitraum 6,1 Mrd. Euro aus und liegt damit weit über den Exportvolumina nach Asien (4,4 Mrd. Euro), Amerika (4,1 Mrd. Euro) oder den GUS-Staaten (3,2 Mrd. Euro). "Die AWO weiß um die Bedeutung dieser Region für die österreichische Exportwirtschaft und bietet für heimische Unternehmen jährlich rund 50 exportrelevante Veranstaltungen -Wirtschaftsmissionen, Marktsondierungsreisen, Messebeteiligungen, Fachseminare etc. - an", betonte Koren.

Die Außenhandelsergebnisse mit den wichtigsten Ländern der Region sind durchwegs positiv. So wiesen die österreichischen Exporte nach Großbritannien in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum auf. Die Ausfuhren erreichten 2007 einen Wert von 4,1 Mrd. Euro (+3,3%) und Großbritannien lag 2007 an 7. Stelle der bedeutendsten Exportmärkte Österreichs. Wie in den Vorjahren war auch 2007 die Außenhandelsbilanz mit einem Überschuss von 1,72 Mrd. Euro (1. Halbjahr 2008: + 870 Mio. Euro) stark positiv. Als Erfolgsbeispiele nannte der österreichische Handelsdelegierte aus London, Gerhard Müller, etwa die Firma Frequentis, die die Londoner Polizei mit Sicherheitssystemen ausrüstete, oder Kelag Umwelttechnik, Knapp Logistics und Plasser & Theurer (Gleistechnik), die große Aufträge in Großbritannien an Land ziehen konnten. Die Direktinvestitionen sind ein weiterer Beleg für die enge wirtschaftliche Verflechtung der beiden Länder. Im Vereinigten Königreich sind derzeit rund 170 österreichische Tochtergesellschaften tätig, die mehr als 14.000 Mitarbeiter beschäftigen. Besonders gute Marktchancen sieht Handelsdelegierter Müller für innovative Maschinen, Anlagen und Verfahren, die Produktivitätssteigerungen ermöglichen, sowie für Nischenprodukte mit hohem technischen Standard, u.a. in den Bereichen Umwelttechnik, erneuerbare Energie, nachhaltiges Bauen und Lagertechnik. Vor allem in Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in London sollten sich gute Exportchancen ergeben.

Das Exportvolumen in die Niederlande machte im 1. Halbjahr 2008 eine Milliarde Euro aus. Das mit den Niederlanden bestehende Handelsbilanzdefizit erklärt sich zu einem großen Teil durch den so genannten "Rotterdam-Effekt": viele Importe aus Drittländern kommen in Rotterdam an und werden daher als Lieferungen aus den Niederlanden deklariert. Der österreichische Handelsdelegierte in den Niederlanden, Karl Schmidt, sieht gute Zukunftschancen für österreichische Exporteure im Bereich der Erzeugung und Nutzung von Alternativenergie, speziell bei Agrarprojekten, aber auch bei Nahrungsmitteln "aus dem Spezialitätenladen Österreich. Schließlich sind die Niederlande die zweitwichtigste Incoming-Touristen-Nation für Österreich und die holländischen Gäste schätzen die österreichischen Feinkostprodukte, die sie dann auch in ihren Supermärkten kaufen wollen".

Die Dynamik der österreichischen Exporte nach Schweden, die in den letzten beiden Jahren noch Wachstumsraten von fast 20% hervor brachte, ließ im ersten Halbjahr 2008 spürbar nach. Trotzdem lag das Exportwachstum mit 9,5% weiterhin klar über der gesamt-österreichischen Steigerung (5,8%). Peter Sedlmayer, österreichischer Handelsdelegierter in Stockholm, nannte als ein gelungenes Beispiel österreichischer Unternehmen in Schweden, die "Ansiedlung von XXXLutz in Malmö, der im Land von Ikea sozusagen den Elch am Geweih packt." Aus Dänemark berichtete Handelsdelegierter Volker Ammann, dass "ab kommendem Jahr alle Legosteine im dänischen Lego-Werk mit österreichischen Maschinen der Firma Engel produziert werden - bis jetzt war es die Hälfte." Einen besonderen Exporterfolg konnte der österreichische Handelsdelegierte aus Helsinki, Johannes Brunner, melden: "Die Firma Doppelmayr lieferte die weltweit erste ‚Saunagondel’ nach Finnland, in der Gäste während einem Saunaaufguss über die Landschaft Lapplands schweben können." (BS)

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