Arzneimittel-Sicherheit gibt es nur bei der Medikamenten-Abgabe in der Apotheke!

Apothekerverbands-Präsident reagiert auf Ergebnisse einer alarmierenden Salzburger Studie

Wien (OTS) - "Der Arzneimittelsicherheitsgurt ist die Lösung", reagiert heute, Mittwoch, der Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes, Dr. Friedemann Bachleitner-Hofmann, auf die Enthüllungen im gestrigen ORF-"Report spezial" zum Thema "Patient Gesundheitswesen". Demnach nehmen die Österreicher zu viele Medikamente, leiden verstärkt unter doppelt verschriebenen Arzneien und kennen zu wenig Neben- und Wechselwirkungen. Die Folgen: mehr Spitalsaufenthalte, Schäden für die Betroffenen und enorme Kosten für die Volkswirtschaft, so die Studienautoren im gestrigen ORF-Bericht.

Seit fast zwei Jahren läuft in Salzburger Apotheken das Pilotprojekt "Arzneimittelsicherheitsgurt". Mit der e-card als Schlüssel stimmt der Patient freiwillig einem Check von Neben- und Wechselwirkungen beim Kauf der Medikamente in Salzburger Apotheken zu. Der Pharmazeut hat bei Abgabe des Arzneimittels mit einem Knopfdruck die Möglichkeit, Compliance (Therapietreue und -verlauf), mögliche Doppelverschreibungen sowie gefährliche Neben- und Wechselwirkungen aufzudecken. Das Projekt wird mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums, des Gesundheitsressort des Landes und des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger in Salzburg erprobt.

"Wenn das kontrollierte Wechselwirkungssystem in Österreich flächendeckend läuft, schätzen Experten die Einsparungseffekte auf bis zu 150 Millionen Euro pro Jahr. Weil jetzt falsch eingenommene Medikamente dann richtig angewendet werden und Folgekosten wie Spitalsaufenthalte vermieden werden können", bringt es der Präsident der selbständigen Apotheker auf den Punkt. Bachleitner-Hofmann:
"Rechnet man, dass heute schon jedes 5. Medikament in Österreich falsch, doppelt oder gar nicht bzw. in einer pharmakologisch gefährlichen Kombination eingenommen wird, bedeutet das einen Verlust für das Gesundheitssystem von 400 Millionen Euro. Wohlgemerkt pro Jahr!"

Er, Bachleitner, könne das von einem Arzt im ORF-"Report spezial" aufgezeigte Problem der doppelten Verschreibungen nachvollziehen. Fast 30.000 Arzneimittelbezogene Probleme wurden im Pilotprojekt in Salzburgs Apotheken aufgezeigt. 25% davon lösten konkrete Probleme für den Patienten aus. Am häufigsten waren Interaktionen, also Neben-und Wechselwirkungen, vor Doppelmedikationen und Therapieverlaufsfehlern mit zu kurz oder falsch eingenommenen Arzneien. 1% der aufgezeigten Arzneimittelprobleme war lebensgefährlich.

"Wir müssen unsere Patienten oft darauf hinweisen und können im direkten Dialog mit unseren niedergelassenen Ärzten die Probleme rasch und unbürokratisch lösen." Der Arzneimittelsicherheitsgurt sei ein wichtiges, zweites Sicherheitsnetz in der Apotheke. Nächster gesundheitspolitischer Schritt wäre die Integration der verschreibenden Stellen im niedergelassenen und im Spitalsbereich, so Bachleitner-Hofmann abschließend.

Hinweis: Das Thema Arzneimittelsicherheit ist auch Schwerpunkt des morgen in Salzburg beginnenden Wirtschaftskongress des Österreichischen Apothekerverbandes.

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