- 04.11.2008, 17:57:36
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DER STANDARD-KOMMENTAR "Antwort Disziplinarkeule" von Michael Möseneder
Ausgabe vom 5.11.2008
Wien (OTS) - "Warnung: Reden kann Ihre Karriere gefährden." Dieser
Hinweis müsste eigentlich jedem Polizeischüler in die Hand gedrückt
werden. Denn öffentliche Kritik wird in der Exekutive gar nicht
goutiert. Selbst wenn sie teilweise gerechtfertigt ist.
Wie bei Roland Frühwirth von der Wiener Polizei. Der wurde nach
seiner eher dubiosen Rolle in der Saunaaffäre als Leiter der
Kriminalabteilung abgezogen. In der Zeitschrift Kriminalpolizei hat
er später die Zerstörung der Informantennetze durch die Polizeireform
beklagt. Kurz darauf war er schon suspendiert. Das Seltsame: Eines
der Ziele der nächsten Polizeireform ist, den Kripo-Kontakt mit
lokalen Tippgebern wieder zu stärken.
Bei Herwig Haidinger ist es ähnlich. Wenn er befindet, dass die
Sicherheit kaputtgespart worden und die Kriminalität seither stark
gestiegen sei, hat er schlicht und einfach recht, wie ein Blick in
die Statistiken beweist.
Dass bei ihm, wohl ebenso wie bei Frühwirth, Kränkung mit eine Rolle
spielt, ist sicher. Ebenso, dass Haidinger bei Vorgängen, die man so
oder so sehen kann, jene Variante wählt, bei der das Innenministerium
schlechter aussteigt.
Nur: Die Disziplinarkeule zu schwingen, anstatt die Vorwürfe zu
widerlegen, ist seltsames Krisenmanagement. Wenn die Innenministerin
argumentiert, Haidinger wäre in der Privatwirtschaft schon längst
entlassen, hat sie recht. Nur: Die Polizei wird im Gegensatz zu
Firmen von der Öffentlichkeit bezahlt. Und die sollte sehr wohl über
gravierende Vorwürfe informiert werden. Was über die offiziellen
Kanäle ja wohl kaum passieren würde.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445
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