Gedenken in den Synagogen an die Pogromnacht vom 9. November 1938

Kardinal Schönborn und Bischof Schwarz nehmen an Gedenkfeiern im Wiener Stadttempel und in der Linzer Synagoge teil

Wien-Linz, 4.11.08 (KAP) Mit einer Feier im Wiener Stadttempel gedenkt die Israelitische Kultusgemeinde am Sonntag, 9. November, um 18.30 Uhr der Opfer der Novemberpogrome des Jahres 1938. Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und der Präsident der Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, werden dabei in Ansprachen an die Ereignisse vor genau 70 Jahren erinnern. An dem Gedenken im Stadttempel nehmen auch Bundespräsident Heinz Fischer sowie Kardinal Christoph Schönborn, der orthodoxe Metropolit Michael Staikos und der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker teil. Das Gedenken wird mit dem Kaddish, dem traditionellen jüdische Totengebet, schließen.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden alle Wiener Synagogen und Bethäuser in Brand gesteckt. Der Stadttempel entging als einziger der Vernichtung, weil er in der dicht verbauten Wiener Innenstadt liegt. Er wurde allerdings völlig verwüstet. Der Stadttempel sowie die erst 2005 wiedereröffnete Synagoge in Baden bei Wien sind die einzigen beiden jüdischen Synagogen in Österreich aus der Zeit vor 1938, die in ihrer Substanz zur Gänze erhalten geblieben sind und auch heute als Synagoge genutzt werden.

Eine der 42 in der Pogromnacht zerstörten Wiener Synagogen und Bethäuser war die Synagoge am Humboldtplatz 5 in Wien-Favoriten. An die Vernichtung der Synagoge wird am 10. November um 18 Uhr bei einer Ökumenischen Gedenkstunde unter dem Titel "Erinnere Dich" in der Pfarrkirche St. Johann Evangelist am Keplerplatz gedacht. Im Anschluss wird in der Bezirksvorstehung Favoriten eine Ausstellung über die Geschichte der Synagoge eröffnet. Der Soziologe Prof. Leopold Rosenmayr liest aus diesem Anlass aus seinem Buch "Überwältigung 1938", weitere Beiträge zu diesem Gednkabend kommen von Timna Brauer und dem Komponisten Daniel Landau.

Linz: Gedenken mit Bischof und Superintendent

In Linz laden die Israelitische Kultusgemeinde und der Verein "Wider das Vergessen" am 9. November um 19 Uhr zu einer Gedenkfeier aus Anlass des 70. Jahrestages der Pogromnacht in die Synagoge in der Bethlehemstraße ein. Dabei werden sowohl George Wozasek, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, als auch der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz und der evangelische Superintendent Gerold Lehner Gedenkworte sprechen.

Auch bei der Gedenkfeier in der Linzer Synagoge wird Kaddish gebetet. Zudem werden die Namen der in der NS-Zeit ermordeten Linzer Juden verlesen. Musikalisch wird das Gedenken mit Kompositionen von Felix Mendelssohn-Bartholdy gestaltet. Der Schauspieler Karl Sibelius wird dazu aus den Aufzeichnungen von Rudolf Höss, dem Kommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz, lesen.

Die 1877 errichtete Synagoge der Linzer Kultusgemeinde wurde in der Pogromnacht 1938 zerstört. Erst 1968 konnte die neue Synagoge in Linz ihrer Bestimmung übergeben werden. (forts.)
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