Wien: Sakralkunst aus fünf Jahrhunderten im Stephansdom

Ausstellung "500 Jahre Paramente und Vasa sacra" ist bis 30. Jänner auf der Westempore zu sehen - Eröffnung durch Bischof Krätzl und Stadtrat Ludwig - Diözesankonservatorin Schreiber: "Kunstwerke sind keine Antiquitäten, sondern 'Zeichen des Glaubens'"

Wien, 4.11.08 (KAP) Eine Aufsehen erregende Ausstellung über "500 Jahre Paramente und Sakrale Gefäße" hat das Wiener erzdiözesane Referat für Denkmalpflege aus Anlass der 13. internationalen Tagung über "Kulturelles Erbe und neue Technik" auf der Westempore des Stephansdoms gestaltet. Weihbischof Helmut Krätzl sagte am Montagabend bei der Eröffnung der Ausstellung, es sei bedeutsam, dass bei dem internationalen Symposion Wert auf die religiöse Kunst gelegt wird: "Was wäre Europa ohne religiöse Kunst?" Stadtrat Michael Ludwig betonte die "gute Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und Stadt Wien". Ludwig zitierte den Wiener Tiefenpsychologen Viktor Frankl, der darauf verwiesen habe, dass drei Elemente - "Religion, Kunst, Liebe" - die "Banalität des Daseins" durchbrechen. In sakralen Kunstwerken kämen diese Elemente gut zum Ausdruck.

Domkustos Prälat em. Prof. Josef Weismayr verwies darauf, dass die bei der Ausstellung gezeigten Paramente und sakralen Gefäße größtenteils im Gottesdienst verwendet werden. Auch der Stephansdom sei "kein Museum"; an jedem Werktag gebe es sechs Eucharistiefeiern im Dom, neben den Touristen sei immer eine große Zahl von "stillen Betern" in der Kathedrale anzutreffen.

Bischof Krätzl betonte bei der Eröffnung die vielfache Bedeutung der sakralen Kunstwerke. Gerade in einer multikulturellen Gesellschaft wie der heutigen gehe es darum, sich der eigenen Kultur bewusst zu sein, um auch andere Kulturen schätzen zu können. Die Paramente und sakralen Gefäße seien zugleich "Zeichen der Ehrfurcht" vor dem heiligen Geschehen der Messfeier. Diese Kunstwerke erinnerten aber auch daran, dass es seit jeher die Christen waren, die neben allen kostbaren Geräten für den Gottesdienst in erster Linie an die "Armen und Ausgegrenzten" dachten. "Kunst und Caritas sind keine Gegensätze", so Bischof Krätzl wörtlich.

Die Wiener Diözesankonservatorin Hiltigund Schreiber verwies darauf, dass in der Ausstellung die doppelte Aufgabe kirchlicher Denkmalpflege zum Ausdruck kommt: "Historisch Gewachsenes in Würde zu bewahren und Neues zu schaffen". Bei den Ausstellungsobjekten handle es sich um "Kostbarkeiten", die aber nicht musealen Charakter haben, sondern größtenteils nach wie vor im Gottesdienst verwendet werden:
"Für uns sind diese Objekte keine Antiquitäten, sondern Zeichen des Glaubens". In dieser Form habe es im mitteleuropäischen Raum noch nie eine vergleichbare Ausstellung gegeben. Sr. Imelda Ruf, die eine international anerkannte Fachfrau der Paramentenstickerei ist, erläuterte bei der Eröffnung die Geschichte der einzelnen Objekte, die aus den Beständen des Stephansdoms, der Franziskaner, des Salesianerinnen-Klosters am Rennweg und des Stephanus-Hauses stammen.

Die Ausstellung sei einzigartig, so Schreiber: "Eine solche Vielfalt an Objekten über einen Zeitraum von 500 Jahren wurde in dieser Kombination noch nie gezeigt", erklärte die Diözesankonservatorin, die mit ihren Mitarbeitern im Referat für Denkmalpflege die Ausstellung zusammengestellt hat.

"Mit Liebe und Sorgfalt zur Ehre Gottes"

Zu sehen ist unter anderem der kostbare Ornat, den der damalige Wiener Bischof Philipp Breuner 1647 gestiftet hatte; der "Breuner-Ornat" wird bis heute von den Wiener Erzbischöfen beim Hochamt am Stephanitag getragen. Auch der "Eleonoren-Ornat", der 1697 anlässlich der Übertragung des Gnadenbildes "Maria Pocs" in den Dom von Kaiserin Eleonore gestiftet worden ist, wird gezeigt.

Die prunkvollen Messgewänder seien nicht geschaffen worden, um Priester "herauszuputzen", sondern "mit Liebe und Sorgfalt zur Ehre Gottes und zur Verkündigung", erklärte Sr. Imelda Ruf bei der Ausstellungseröffnung. Die Benediktinerin beschäftigt sich seit den sechziger Jahren mit liturgischen Gewändern und deren Herstellung. Das von ihr gestaltete Messgewand für Benedikt XVI., das der Papst im Vorjahr bei der Messfeier im Stephansdom trug, ist ebenfalls Teil der Ausstellung.

Neben den Messgewändern sind liturgische Geräte ("vasa sacra") wie Kelche, Monstranzen, Weihrauchgefäße zweiter Schwerpunkt der Ausstellung. Gezeigt wird etwa die "Dornbusch-Monstranz" der Franziskaner. Zu sehen ist aber auch der Bischofsstab von Kardinal Christoph Schönborn und die Glasmonstranz, die von Heinz Ebner für den Besuch von Benedikt XVI. in der Wiener Kirche Am Hof in einer modernen Glasschmelztechnik angefertigt worden ist.

Die Ausstellung "500 Jahre Paramente und Vasa sacra" auf der Westempore des Stephansdoms ist bis 30. Jänner 2009 jeweils von Montag bis Samstag in der Zeit von 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. (ende)
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