Zuwanderung gestalten: Neues Migrationsmodell für Österreich

WKÖ, IV und IOM stellen neues Migrations- und Integrationsmodell vor

Wien (OTS) - Wien - Für einen "migrationspolitischen Paradigmenwechsel in Österreich" sprachen sich heute, Dienstag, Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Industriellenvereinigung (IV) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) auf einer Pressekonferenz aus. Angesichts der demografischen Entwicklung sei überdeutlich, dass auch Österreich aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen Zuwanderung brauche, betonten Dr. Martin Gleitsmann (WKÖ), Mag. Georg Kapsch (IV) und Dr. David Reisenzein (IOM). Unter dem Titel "Zuwanderung gestalten. Perspektiven für ein zukunftsorientiertes Zuwanderungsmodell" hatten WKÖ, IV und IOM daher zu einer Podiumsdiskussion geladen, um ein neues, klares und transparentes Migrations- und Integrationsmodell vorzustellen und zu diskutieren.

Transparenz durch Punktesystem

"Wirtschaft und Arbeitsmarkt müssen in schwierigen Zeiten stabilisiert werden. Gut qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind besonders in solchen Phasen ein wichtiges Kapital, weil sie ein bedeutender Motor zur Ankurbelung der Wirtschaft sind", betonte Dr. Martin Gleitsmann, Abteilungsleiter Sozialpolitik & Gesundheit der WKÖ. Was das Qualifikationsniveau der in Österreich lebenden Personen mit Migrationshintergrund betreffe, sei Österreich Schlusslicht innerhalb der OECD: nur 11,3 % verfügen über eine akademische Ausbildung. Es sei daher notwendig, dass Österreich seine Attraktivität für internationale Spitzenkräfte und qualifizierte Fachkräfte ausbaut.

Gleitsmann: "Unser Vorschlag für ein zukunftsorientiertes Migrationsmodell ist voll auf den Bedarf des österreichischen Arbeitsmarktes abgestellt. Kernstück ist ein transparentes Punktesystem, das die Zuwanderung nach objektiven Kriterien regelt. Durch die festgelegten Kriterien wie Ausbildung, Berufserfahrung oder Sprachkenntnisse wird ein hohes Maß an Transparenz sowohl für potenziell Zuwandernde als auch für die in Österreich lebende Bevölkerung geschaffen."

Beste Köpfe und Hände anwerben

"Die Industrie hat sich seit Langem für ein transparentes Zuwanderungssystem auf der Basis nachvollziehbarer Kriterien ausgesprochen, auch aus demographischen und gesellschaftspolitischen Gründen", unterstrich Mag. Georg Kapsch, Vorsitzender des Ausschusses für Gesellschaftspolitik der IV. Entscheidend für den Erfolg eines solchen Systems seien vor allem die Rahmenbedingungen.

So müsse einmal für eine umfassende Auskunft und Beratung gesorgt werden, etwa durch eine Kooperation mit ausländischen Institutionen sowie der Bereitstellung gezielter Informationen für interessierte Zuwandernde sowie der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Österreich müsse ganz gezielt "die besten Hände und Köpfe" anwerben, so Kapsch. Die Kompetenzen in den Bereichen Migration und Integration sollten zudem gebündelt werden, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse effizienter gestaltet werden.

Vor allem aber gelte es, Internationalität insgesamt zu fördern. "Wir brauchen bewusstseinsbildende Maßnahmen, damit Migration und Integration nicht als Gefahr, sondern als Chance gesehen werden. Österreich ist schon lange ein Zuwanderungsland", betonte Kapsch. Rechte und Pflichten gebe es dabei auf beiden Seiten: "Unserer Offenheit muss der Wille von Migrierenden gegenüberstehen, sich zu integrieren."

Lernen aus internationalen Erfahrungen

Durch die jahrzehntelange weltweite Erfahrung im Migrationsmanagement unterstützt die IOM ihre mittlerweile 125 Mitgliedsstaaten bei der Erarbeitung geeigneter Einwanderungsmodelle. So wurde beispielsweise jüngst gemeinsam mit der tschechischen Regierung ein Zuwanderungsmodell für qualifizierte und hochqualifizierte ArbeitnehmerInnen erarbeitet, das nach erfolgreicher Testphase fortgeführt und erweitert werden soll, um Lücken auf dem Arbeitsmarkt schnell und effektiv zu schließen.

Dr. David Reisenzein, Abteilungsleiter für Entwicklung, Politik & Medien der Internationalen Organisation für Migration (IOM) Wien, wies darauf hin, dass Einwanderungsländer wie Kanada, die USA oder Australien seit Jahrzehnten auf transparente Zuwanderungsmodelle vertrauen, um die besten Köpfe für Forschung, Entwicklung und Wohlstandssicherung anzuwerben.

Reisenzein: "Internationale Erfahrungen zeigen, dass gerade kleinere Länder von selektiver Zuwanderung profitieren und diese dadurch unter anderem nachhaltiges Wirtschaftswachstum und die Sicherung des Wohlstands gewährleisten."

In Hinblick auf die internationalen Erfolge von transparenten und gleichzeitig flexibel auf die jeweiligen Arbeitsmarktbedingungen reagierenden Zuwanderungsmodellen sollte man ein derartiges selektives Zuwanderungsprogramm auch für Österreich andenken. "Für den nachhaltigen Erfolg eines solchen Zuwanderungsmodells wären begleitende Integrationsmaßnahmen in Österreich sowie Orientierungs-, Sprach- und Kulturkurse noch im Herkunftsland unabdingbar. Außerdem müssen den Zuwanderern klare Chancen und Aussichten geboten werden", so Reisenzein abschließend.

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