"Kleine Zeitung" Kommentar: "Willst du diesen Job?" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 01.11.2008

Graz (OTS) - "Willst du diesen Job wirklich?", haben Freunde den damaligen New Yorker Bürgermeisterkandidaten Michael Bloomberg am 11. September 2001 gefragt. "Jetzt mehr denn je", hat der geantwortet und die Wahl gewonnen. Die beiden Präsidentschaftskandidaten werden sich die Frage vielleicht auch schon gestellt haben.

Die USA stecken in der tiefsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts. Das Land ist in zwei komplizierte und kostspielige Kriege verwickelt, deren Ende nicht absehbar ist. Der Staat hat einen Schuldenberg von zehn Trillionen Dollar aufgehäuft, doppelt so viel wie vor den Bush-Jahren. Trillionen, das sind Zahlen mit zwölf Nullen. Wer immer Präsident dieses Landes ist, er wird Jahre brauchen, gute Nerven und die besten Mitarbeiter, um die drohende Abwärtsspirale aufzuhalten oder gar umzukehren.

Zur Wahl stehen zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Was sie trennt, ist ihre Herkunft, sind ihre Erfahrungen und vor allem ihre Auffassungen vom Staat. Obama will mehr davon und das ist momentan sogar in den USA mit ihrer tief sitzenden Skepsis gegenüber der Zentralmacht populär. Das Versagen der Ideologie von der Selbstregulierungskraft des Marktes ist Rückenwind für ihn. In seltener Einigkeit stellten sich auch die großen Zeitungen hinter den erst 47 Jahre alten Demokraten. Ihm trauen sie zu, einen "New Deal" zu entwickeln, ein staatliches Investitionsprogramm wie jenes, das Franklin D. Roosevelt gegen die Große Depression lanciert hatte" McCain setzt auf das alte Rezept der Republikaner: Steuern senken als Allheilmittel. Er bringt jahrzehntelange Erfahrung im Senat mit und das Image des mutigen Vietnamkriegsveteranen, der sich von nichts und niemandem steuern lässt. Ob das angesichts der Herausforderungen genügt? Außerdem ist der Mann 72 Jahre alt und wäre damit der älteste Präsident, der je angelobt wurde. Schrecklich ist der Gedanke, seine unbedarfte, scharfmacherische Stellvertreterin Sarah Palin würde durch seinen Tod in das Amt katapultiert.

Nach acht ruhmlosen Jahren, da selbst eingefleischte Republikaner sich einen Wandel wünschen, ist Obamas Lockwort "Change" jedenfalls attraktiv. Es mobilisiert junge Wähler und solche, die bisher von ihrem Recht nicht Gebrauch gemacht haben. Sollte Obama gewählt werden, wäre das nicht nur für die USA ein historisches Datum. "Zusammen werden wir Amerika verändern, zusammen werden wir die Welt verändern", hat Obama kürzlich gerufen. Auch wir sollten auf "Change" eingestellt sein.****

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