30 Jahre Kuratorium für Journalistenausbildung Prammer: Medien haben auch Bildungsfunktion

Wien (PK) - Medien sollen nicht nur informieren, sie haben auch eine wichtige Bildungsfunktion. Das betonte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute bei einem Festakt im Palais Epstein anlässlich des 30. Geburtstags des Kuratoriums für Journalistenausbildung (KfJ). Es gebe, so Prammer, blinde Flecken in der Bevölkerung, was das Demokratiebewusstsein betreffe, hier seien Politik und Medien gleichermaßen gefordert. Man müsse das politische System transparent machen. Prammer verwies in diesem Zusammenhang auch auf Bemühungen des Parlaments, im Rahmen der "Demokratiewerkstatt" Kindern und Jugendlichen die Bedeutung von Demokratie und Parlamentarismus nahe zu bringen und ihnen einen bewussten Umgang mit Medien zu vermitteln.

Meinrad Rahofer, Geschäftsführer des KfJ, betonte, gut gemachte Medien seien notwendig für eine funktionierende Demokratie. Die Zivilgesellschaft sei bei ihrer Informationsbeschaffung auf die Medien angewiesen. Er habe manchmal Zweifel, ob das Kuratorium für Journalistenausbildung wirklich erfolgreich sei, meinte Rahofer augenzwinkernd in Anspielung auf die nicht immer seriöse Medienberichterstattung, er komme aber stets zum Schluss: "ohne uns wäre es noch viel, viel schlimmer". Besondere Bedeutung maß Rahofer dem lebenslangen Lernen im Journalismus bei. Das Kuratorium bietet in diesem Sinn nicht nur Lehrgänge für Anfänger an, sondern auch Seminare für journalistische Profis, bis hin zu Chefredakteuren.

Walter Schaffelhofer erinnerte als Mitbegründer des Kuratoriums an die Anfänge des KfJ. Damals habe es weder Lehrredaktionen noch systematische Praktika und auch keine Fachhochschulen oder andere Ausbildungsinstitute für Journalisten gegeben, skizzierte er, die meisten Journalisten seien irgendwie in den Beruf "hineingestolpert".

Nach ersten Kursangeboten für bereits im Beruf stehende Jungjournalisten auf informeller Basis wurde das Kuratorium für Journalistenausbildung schließlich 1978 gemeinsam von der Journalistengewerkschaft, vom Verband Österreichischer Zeitungen und vom Österreichischen Zeitschriftenverband offiziell ins Leben gerufen. Seither haben über 13.000 TeilnehmerInnen das Kursangebot genutzt. Derzeit organisiert das KfJ, das sich als Kompetenzzentrum für praktische journalistische Arbeit versteht, jährlich rund 60 Seminare, Workshops und Lehrgänge in ganz Österreich.

Annette Hillebrand, Direktorin der Hamburger Akademie für Publizistik, setzte sich als Festrednerin mit der Frage auseinander "Was Journalist/innen in Zukunft brauchen?". Sie stellte dabei vier Thesen in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen: Journalisten brauchen umfassende Kenntnisse der Technik, Journalisten brauchen "frische Luft", Journalisten brauchen Zeit und Journalisten brauchen eine Meinung.

Es sei notwendig, die virtuelle Welt und die Redaktion regelmäßig zu verlassen, betonte Hillebrand, auch wenn es heute durch das Internet möglich sei, einen fachlich fundierten Artikel zu schreiben, ohne je den Arbeitsplatz verlassen, ohne zum Telefonhörer gegriffen zu ohne mit sonst jemandem gesprochen zu haben. Ebenso bräuchten Journalisten Zeit zum Lesen, Zeit zum Denken, Zeit, um die Qualität ihrer Arbeit zu überprüfen, und Zeit, um Recherchequellen zu hinterfragen. Als Bürgerin, die hinreichend gut informiert sein wolle, wünsche sie sich, so Hillebrand, Journalisten, die gut recherchieren und ihr Material gut aufbereiten können, Journalisten, die ihre Relevanzkriterien, nach denen sie zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden, immer wieder in Frage stellen, und Journalisten, die zur Selbstkritik fähig sind. Nur Glaubwürdigkeit könne die Branche retten, zeigte sich die Expertin überzeugt.

Skeptisch äußerte sich Hillebrand zum Ergebnis einer vor drei Jahren in Deutschland durchgeführten Umfrage unter Journalisten, wonach "Kritik und Kontrolle" als Aufgabe von Journalismus an Bedeutung verlieren werde und "Lebenshilfe und Nutzwert" in den Vordergrund rücke. Beides sei wichtig, bekräftigte sie. (Schluss)

HINWEIS: Fotos vom Festakt finden Sie - etwas zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im Fotoalbum: www.parlament.gv.at.

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