Spritspartraining bei der Führerscheinausbildung - ÖAMTC bezweifelt Umsetzbarkeit

Keine halben Sachen - Club kritisiert Änderung in der Mehrphasen-Ausbildung

Wien (OTS) - Am Samstag, 1. November, tritt die 7. Novelle der Führerscheingesetz-Durchführungsverordnung (FSG-DV) in Kraft. Eine wesentliche Änderung betrifft die Mehrphasen-Ausbildung: Im Rahmen der zweiten Perfektionsfahrt liegt der Schwerpunkt auf dem Erlernen einer umweltbewussten und spritsparenden Fahrweise. "Die Implementierung eines Kurztrainings im spritsparenden Fahren in die Führerscheinausbildung ist prinzipiell zu begrüßen", sagt ÖAMTC-Juristin Ursula Zelenka. Denn spritsparendes Fahren schont nicht nur die Umwelt und das Börsel, sondern trägt durch vorausschauende Fahrweise auch zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei", unterstreicht Zelenka den mehrfachen Nutzen eines solchen Trainings. Gleichzeitig kritisiert die Club-Juristin die in der Novelle vorgeschlagene Vorgehensweise. "Die Umsetzung ist in einer Gruppe schon aufgrund des Zeitlimits von zwei Unterrichtseinheiten (zweimal 50 Minuten) nicht möglich."

Laut Plan muss zunächst jeder Teilnehmer eine 15-minütige Fahrt mit Messung des Spritverbrauchs absolvieren. Die Eckpunkte umweltbewussten und spritsparenden Fahrens sollten daraufhin besprochen werden. In einer weiteren 15-minütigen Fahrt wird der Kraftstoffverbrauch wieder gemessen. Schließlich erfolgt eine Gegenüberstellung und Analyse der beiden Fahrten. "Selbst bei einer sehr klein bemessenen Gruppengröße von nur drei Teilnehmern ist das rein rechnerisch nicht in der dafür vorgesehenen Zeit machbar. Außerdem ist eine Fahrtdauer von 15 Minuten viel zu kurz, um aussagekräftige Messwerte zu erzielen", bedauert die ÖAMTC-Juristin, dass die in der Novelle vorgeschlagene Umsetzung nicht zielführend ist.

"Um einen nachhaltigen Lernerfolg und damit ein tatsächliches Einsparungspotential bei den Lernenden zu verwirklichen, muss das Training außerdem unter weitgehend realen Bedingungen erfolgen. Das heißt mit dem eigenen Fahrzeug, das vertraut ist und auch in weiterer Folge verwendet wird, und in unterschiedlichen Verkehrssituationen", führt Zelenka weitere Kritikpunkte an. Wenn die Teilnehmer ihre eigenen Fahrzeuge verwenden, verursacht das ein weiteres Problem. Es fehlt derzeit den meisten Pkw an digitalen Spritverbrauchsanzeigen. Zwar gibt es Geräte, die nachträglich montiert werden können - aber auch das geht erst bei moderneren Fahrzeugen. "Häufig besitzen aber gerade junge Fahrzeuglenker ältere Autos", sagt die ÖAMTC-Expertin.

Problematisch beurteilt Zelenka auch, dass wichtige Teile der bisherigen Mehrphasenausbildung unter der neuen Schwerpunkt-Setzung leiden. So sollten bisher durch einen Vergleich zwischen erster und zweiter Perfektionsfahrt der Lernerfolg festgestellt und dem Fahranfänger seine Fortschritte verdeutlicht werden. Mit dem Fokus Spritsparen gehen hier Lernfelder verloren. "Die Mehrphasenausbildung hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Die Anzahl von Unfällen durch Fahranfänger konnte signifikant gesenkt werden. Änderungen an diesem funktionierenden Konzept dürfen daher auf keinen Fall zu Lasten der Verkehrssicherheit gehen", gibt Zelenka zu bedenken. Das Erlernen einer umweltbewussten und spritsparenden Fahrweise ist ein Thema, das ständig an Bedeutung gewinnt und daher besondere Aufmerksamkeit verdient. "Nimmt man die Sache ernst und möchte tatsächliche Erfolge erzielen, bedarf es aber einer eingehenderen Befassung mit dem Thema", sagt die ÖAMTC-Juristin abschließend.

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