- 30.10.2008, 17:14:05
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Banken stehen am Weltspartag Schlange - von Esther Mitterstieler
Erstaunlich, wie schnell sich die Welt gedreht hat
Wien (OTS) - Mit 2,7 Milliarden Euro Partizipationskapital hilft
nun der Bund bei der Erste Group aus. Das ist so viel, wie uns in den
vergangenen Monaten noch von der Bundesregierung als Steuerreform
für 2010 versprochen wurde - oder auf jede(n) Einzelne(n)
runtergebrochen rund 34.000 Euro. Notabene: Einen Teil dieser
Steuerreform auf 2009 vorzuziehen, schien unmöglich, weil das Geld
nicht vorhanden war/ist.
Will heißen: Schöne Bescherung für die Banken. Nach der Erste Group
wird wohl die Kärntner Hypo Alpe Adria bald zugreifen. Volksbank und
RZB sollen ebenso schon in der Schlange stehen. Frei nach dem Motto
des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer: "Was kümmert
mich mein Geschwätz von gestern?" Hatte doch Raiffeisen-Oberboss
Christian Konrad eine Staatshilfe "nur über meine Leiche"
abgelehnt. Sollte er nun doch umschwenken, dann befindet er sich
zumindest in guter Gesellschaft: Der Chef der Deutschen Bank, Josef
Ackermann, hatte sich glatt auf die Behauptung verstiegen, er würde
sich schämen, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Jetzt denken
auch die deutschen Großbanken daran. Erstaunlich, wie sich die Welt
gedreht hat: Und wo vor kurzer Zeit kein Geld war, taucht es
plötzlich auf.
100 Milliarden Euro ist das Bankenpaket in Österreich schwer.
75 Milliarden Euro sollen über eine Clearingstelle an die Institute
fließen, darin enthalten sind Haftungen und Garantien. Werden diese
schlagend, wird das Geld sofort budgetwirksam. Zehn Milliarden Euro
sind für die Einlagensicherung der KMU reserviert. Die 2,7
Milliarden Euro, die jetzt an die Erste Bank fließen, kommen aus dem
restlichen 15 Milliarden schweren Topf zur Stärkung des
Eigenkapitals. Eurostat-Statistiker sind sich uneins, ob dieses Geld
budgetwirksam wird. Alles läuft darauf hinaus. Wir Steuerzahler
müssen also vorerst dafür geradestehen. Bis die Bank das Geld in fünf
Jahren mit jährlich acht Prozent Verzinsung zurückzahlen kann.
Was nicht hinlänglich erklärt wurde, ist die immense Höhe des
heimischen Bankenpakets: Großbritannien stellt seinen Banken 636
Milliarden Euro zur Verfügung. Das heißt: Österreichs Banken wird
zumindest unterstellt, einen massiven Kapitalbedarf zu haben. Wenn es
jetzt heißt, das Paket sei im Verhältnis zu Großbritannien okay, muss
man hellhörig werden. Schließlich ist Großbritannien massiv vom
Subprime-Sumpf getroffen. Die Schlüsse kann jeder selbst daraus
ziehen.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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