WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wenn sich Banken nicht mal selbst glauben... - von Robert Gillinger

...dann kann man auch FX-Nehmer zu ihrem (Un-)Glückzwingen

Wien (OTS) - Skrupellos. Anders kann man das Vorgehen von Banken, aber auch einigen Vermögensverwaltern, Finanzvertrieben etc., im Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten nicht nennen. Erstere wollen ihre Kunden mit aller Macht aus FX-Krediten drängen, was eine Folge verschärfter
Eigenmittelvorschriften ist sowie mancher Verwerfung am Kapitalmarkt, die Teile der FX-Kredite für die Banken zum Verlustgeschäft machen. Gerade das kann aber nicht das Problem des vertragskonformen Kunden sein.

Da gibt es aber auch Finanzvertriebe, die gerade jetzt etwa zur Umschuldung von Franken auf Yen raten (und dafür auch noch irgendeine Kleinbank als Financier an der Angel haben). Als Argument für den Wechsel werden Währungsgewinne in Aussicht gestellt. Kann das die Intention eines seriösen Kreditgeschäfts sein, bei dem oft genug Existenzen auf dem Spiel stehen? Bei diesen Vertrieben steht wohl das eigene Provisionsdenken im Vordergrund und nicht der Kunde. Als Motto bietet sich hier an: "Hinter mir die Sintflut." Das Wohl des Kunden ist aber auch bei Banken nicht oberste Prämisse. Wie sonst könnte jetzt, nachdem sowohl Franken als auch Yen gegenüber dem Euro deutlich an Wert gewonnen haben, zum Umstieg in Euro geraten werden? Womit der Währungsverlust dingfest gemacht wäre, während er ohne Wechsel "nur" auf dem Papier steht.

Schon mal etwas von Falschberatung gehört? Oder davon, was Aufgaben eines Kundenberaters sein sollten? Ich nehme jetzt exemplarisch zwei Beispiele aus der heimischen Bankenszene:
Erste Group sowie die zur ÖVAG gehörende Investkredit. Beide erwarten offiziell (Stand Dienstag), dass sich der Franken bis September 2009 wieder deutlich einbremst. Beide erwarten auch, dass sich der für viele FX-Kredite maßgebliche Drei-Monats-Zinssatz deutlich reduziert - Entspannung ist hier also gleich von zwei Seiten in Sicht. Unter robert.gillinger@wirt schaftsblatt.at warte ich gespannt auf Argumente der Kundenberater, warum die volkswirtschaftlichen Abteilungen ihrer Banken Nonsens reden und schreiben -Veröffentlichung garantiert! - und warum FX-Kunden in den Euro wechseln sollten.

Liebe FX-Nehmer: Wehrt euch mit Zähnen und Klauen, sowie natürlich der Hilfe von Arbeiterkammer und VKI, gegen ungerechtfertigte Zwangswechsel. Wehrt euch aber nicht dagegen, die Sinnhaftigkeit von so manchem Tilgungsträger zu hinterfragen. Aber bei diesem Thema stand ja schon anno dazumal der nette Kundenberater hilfreich zur Seite...

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