"Nicht die EU muss sich ändern, sondern nur die Kommunikation"

Salzburger Bürger diskutieren über Europa

Wien (OTS) - Europa heute und morgen: die Zukunft Europas stand im Mittelpunkt einer angeregten Bürgerdiskussion gestern abends im Oval im Europark Salzburg. Mehr als 120 Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, um mit Politikern aus Stadt, Land und dem Europäischen Parlament ihre Anliegen, Wünsche und Ideen zur europäischen Integration zu diskutieren. Im Zentrum der Debatte mit Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, den Europaparlamentariern Othmar Karas, Johannes Voggenhuber sowie Stadtrat Martin Panosch stand die Frage der Kommunikation über Europa.

"Europäische Themen sind nicht interessant"

Viele Publikumsbeiträge orteten einen Mangel an Information über Europa. Dieser Mangel entstehe auch dadurch, dass die Art der Aufbereitung europäischer Themen oft als nicht interessant genug empfunden wird. Othmar Karas wies darauf hin, dass "Konflikte Interesse wecken, Kompromisse allerdings für Medien - um in der Sprache der Jugend zu sprechen - nicht sexy und daher uncool" seien. "Medien und Politik würden daher das Thema meiden und tragen damit zu einem gefühlten Informationsdefizit bei", so ein Gast. Ein anderer Besucher meinte: "Es fehlt in den Medien die tägliche Seite über die EU".

Bürger wünschen bessere Aufbereitung von EU-Themen

Kommunikationsarbeit müsse den Bürgerinnen und Bürgern konkret vermitteln, inwieweit die Europäische Politik das Leben jedes Einzelnen betrifft und verändert. Themen wie etwa Verfassung und Reformvertrag sowie Dienstleistungsrichtlinie und Chemikalienrecht betreffen zwar jeden unmittelbar, werden aber in der ersten Wahrnehmung oft als zu komplex und quotenfeindlich angesehen und gelten deshalb als wenig medientauglich. Trotzdem sprach sich ein Großteil des Publikums für die Ratifizierung des Reformvertrages aus. "Nicht die EU muss sich ändern, sondern lediglich die Kommunikation", so ein Teilnehmer.

EU bringt viel Positives in die Regionen

Zahlreiche positive Meldungen kamen rund um Initiativen und Förderungen der Europäischen Union. Eine Bürgerin aus dem Lungau sprach über die in ihrer Region sehr wichtigen Projekte, wie einem Frauennetzwerk, zwei betrieblichen Kinderbetreuungseinrichtungen sowie über weitere regionale Aktivitäten, die dort nur durch Initiative und Unterstützung der Europäischen Union umgesetzt werden konnten.

Richtung Zukunft wurde in der Diskussion deutlich zwischen jenen Themen unterschieden, die Entscheidungen auf europäischer Ebene bedürfen und solchen, die im Sinne der Subsidiarität in nationalstaatlicher Kompetenz bleiben sollen. Konkret erwarte man sich von Europa gemeinsame Ansätze für Themen Arbeit, Soziales oder Steuerrecht, viele andere Bereiche - wie etwa Landwirtschaft oder Lebensmittelhygiene - sollen in der Entscheidungsgewalt der einzelnen Länder bleiben. Stadtrat Martin Panosch unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung gemeinsamer Mindeststandards und - aus aktuellem Anlass - die Aufsicht und Kontrolle der Finanzmärkte als wichtige europäische Aufgabe.

Mit Blick auf Österreich meinte Johannes Voggenhuber, dass wir uns in einem großen kulturellen Umbruch befänden und dass "Zukunft gestalten nicht heißen kann, nostalgisch auf die Zeit zurückzublicken, in der Österreich eine Falte im Eisernen Vorhang war".

Spannender und kritischer Dialog

Zu Ende der spannenden Diskussion, die vom Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, Manfred Perterer geleitet wurde, ging man nochmals auf die überaus wichtige Informationsarbeit ein. Ein Bürger sprach sich für "Brüsselwochen" für Schülergruppen aus. Eine anwesende Klasse aus der HTL Hallein erhielt in Folge dessen eine direkte Zusage von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, die Schule bei "Brüsselwochen" zu unterstützen. Zusammenfassend kann das Bürgerforum in Salzburg als ein kritischer und sehr konstruktiver Dialog mit vielen Anregungen gesehen werden.

Bürgerforum-Tour durch Österreich

"Die Idee des Bürgerforums stellt eine wichtige Plattform für die Verbindung zwischen den Bürgern und deren Vertreter dar und wird vom Europäischen Parlament weitergeführt werden", so Mag. Wolfgang Hiller, Leiter des Informationsbüros des Europäischen Parlaments in Österreich.

Nach Graz, Krems, Innsbruck, Linz und Salzburg steht am 1. Dezember 2008 Villach als nächste Station auf dem Programm. Diese Veranstaltungsreihe ist nicht zuletzt mit Blick auf die kommenden Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2009 von besonderer Bedeutung.

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