Greenpeace kritisiert den äußerst schleppenden Start des neuen EU-Chemikaliengesetzes

Erst sechs von 27 EU-Mitgliedsstaaten haben sich an der Umsetzung beteiligt

Wien (OTS) - Fast anderthalb Jahre nach Inkrafttreten des neuen EU-Chemikaliengesetzes REACH hat die europäische Chemieagentur ECHA endlich eine erste "Kandidatenliste" mit fünfzehn besonders bedenklichen Chemikalien veröffentlicht, so die Umweltorganisation Greenpeace in einer Aussendung.

Der Chemiker der Umweltorganisation, Herwig Schuster, bemängelt allerdings die äußerst schleppende Umsetzung des Chemikaliengesetzes. "In der EU sind derzeit mehrere tausend bedenkliche Chemikalien erlaubt, auch in Artikeln für den täglichen Bedarf. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union müssen sich also spätestens jetzt beeilen, damit nicht noch in fünfzig Jahren Risiko-Chemikalien etwas Alltägliches in unserem Leben darstellen", so Greenpeace-Sprecher Schuster.

Unter den ersten fünfzehn Chemikalien auf der ECHA-Liste befinden sich einige Substanzen, die seit vielen Jahren in Skandale verwickelt sind - so etwa die drei Phthalat-Weichmacher DEHP, DBP und BBP. Diese besonders bedenklichen Weichmacher sind in Österreich für Kleinkinder-Spielzeug seit zehn Jahren verboten - und seit einigen Jahren auch in der gesamten EU. Bei anderen Anwendungen, so zum Beispiel Bodenbelägen, werden diese gefährlichen Weichmacher dagegen nach wie vor eingesetzt.

Mit der heute veröffentlichen Liste gibt es nun zumindest eine realistische Perspektive, gesundheitsgefährdende Phtalate endlich auch aus anderen Produkten verschwinden zu lassen. Andere als gefährlich eingestufte Chemikalien - wie etwa das in Kunststoff- und damit z. B. auch Babyfläschchen eingesetzte Bisphenol-A - finden sich dagegen noch nicht auf der aktuellen Chemikalienliste der EU.

Dem neuen EU-Chemikaliengesetz zufolge liegt es jetzt bei den Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission, besonders gefährliche Chemikalien für die Liste der ECHA vorzuschlagen. Das soll dazu dienen, Prioritäten für einen schrittweisen Ausstieg aus Risiko-Chemikalien setzen zu können. Bislang haben jedoch erst sechs von 27 Mitgliedsstaaten, darunter Österreich, von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. "Wenn die aktuelle Liste nicht bald zumindest einige hundert Chemikalien enthält, wird man wohl nicht darum herumkommen, der EU in Sachen Chemikalienpolitik völliges Versagen vorzuhalten", schließt Schuster.

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DI Herwig Schuster, Greenpeace CEE
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