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Chaldäische Bischöfe und Nuntius im Irak tagen in Arbil

Bischof Rabban Al-Qas bezichtigt die irakische Regierung, der Gewalt gegen die christliche Minderheit vor allem in Mossel tatenlos zuzusehen - "Die Situation ist mit den Christenverfolgungen in den ersten Jahrhunderten zu vergleichen"

Bagdad, 28.10.08 (KAP) Die chaldäisch-katholischen Bischöfe sind am Dienstag mit dem Apostolischen Nuntius im Irak, Erzbischof Francis A. Chullikatt, in Arbil, der Hauptstadt der autonomen kurdischen Region, zusammengetroffen. Der chaldäisch-katholische Bischof von Amadia und Arbil, Rabban Al-Qas, hat in einem Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur "AsiaNews" die irakische Regierung bezichtigt, der Gewalt gegen die christliche Minderheit vor allem in Mossul tatenlos zuzusehen. "Was in diesen Tagen geschieht, ist das Ergebnis eines langen Schweigens des Ministerpräsidenten Nuri Al-Maliki und seiner Regierung, die nicht im Stande ist, die Welle der Gewalt gegen die Christen zu bremsen", stellte der Bischof wörtlich fest. Es gebe aber auch eine schwerwiegende Mitverantwortung der amerikanischen Besatzungsmacht und der Repräsentanten der Vereinten Nationen: "Unter ihren Augen morden die Terroristen, zünden Häuser und Kirchen an, vertreiben die Christen, ohne dass die Behörden von Mossul den geringsten Versuch machen, Menschen zu verteidigen, deren einzige Schuld darin besteht, Jünger Christi zu sein".

Al-Qas appellierte insbesondere auch an die "islamische Welt", die Vorgänge in Mossul anzuprangern. Bisher habe sich nur Papst Benedikt XVI. in seinem Appell beim Angelusgebet am Sonntag der Situation der Christen im Irak angenommen: "Der Papst ist der einzige, der uns nicht vergisst, seine Worte zeigen, wie sehr die Christen im Irak seinem Herzen nahe sind".

Die Situation in Mossul sei mit den Christenverfolgungen in den ersten Jahrhunderten zu vergleichen, betonte Rabban Al-Qas. Die Tragödie habe sofort nach dem Einmarsch der US-Amerikaner im Jahr 2003 begonnen. Tausende Christen, aber auch Kurden und Angehörige anderer Minderheiten seien in Mossul vertrieben, aber auch beraubt oder gar getötet worden. Die Zahl der Christen in Mossul sei seit 2003 um 75 Prozent gesunken.

Auf Grund der Drohungen und Sanktionen, der islamistischen Propaganda in den Schulen, der Terror-Slogans auf den Hausmauern würden auch gemäßigte Muslime ihre "christlichen Brüder" nicht mehr vor der Intoleranz schützen. Wörtlich stellte der chaldäische Bischof fest:
"Früher öffneten die Muslime bereitwillig ihre Häuser für die Christen; jetzt wagen sie es aus Angst vor Fanatismus und Terrorismus nicht einmal mehr, christliche Bekannte zu haben".

Angesichts des "traurigen und schrecklichen" Bildes der Situation in Mossul erneuerte Bischof Al-Qas seinen Appell an Nuri Al-Maliki, den Frieden wiederherzustellen und seine Verantwortung gegenüber den Christen wahrzunehmen. Die Verfassung müsse die Rechte aller Bürger, "einschließlich der Christen", anerkennen und schützen. (forts mgl) K200809735
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