Benedikt XVI. erwartet von Synode Erneuerung der Universalkirche

Papst betonte im römischen Petersdom beim Abschlussgottesdienst der Weltbischofssynode die zentrale Bedeutung der Bibel für die Gottes-und Nächstenliebe - "Gute Bibelauslegung erfordert sowohl die historisch-kritische als auch die theologische Methode"

Vatikanstadt, 26.10.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. erwartet sich von der Bischofssynode zum Thema Bibel eine Erneuerung der Universalkirche und aller Christen. Zu Beginn des neuen Jahrtausends sei es vorrangige Aufgabe der Kirche, dem Wort Gottes durch eine Neuevangelisierung wirksam Geltung zu verschaffen, sagte der Papst in seiner Predigt bei der Festmesse im römischen Petersdom zum Abschluss der Synode. Das gehörte Wort Gottes müsse "in Gesten der Nächstenliebe umgesetzt werden; denn nur so wird das Evangelium angesichts der menschlichen Schwäche glaubwürdig".

Eindringlich griff Benedikt XVI. das Thema des Verhältnisses von historisch-kritischer und theologischer Methode der Bibelauslegung auch in seiner Predigt auf. "Die Heilige Schrift ist das Wort Gottes - in menschlichen Worten", erinnerte er. Daher müsse die Bibelauslegung der historischen Dimension Rechnung tragen, zugleich müsse die Bibel "in ihrer Einheit, in der Tradition der Kirche und im Licht des Glaubens" gelesen werden. Wie sehr das Thema Benedikt XVI. am Herzen liegt, zeigte sich darin, dass er auch beim anschließenden Angelusgebet die Frage noch einmal aufgriff. Beim Angelusgebet sagte der Papst wörtlich: "Wie das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Konstitution 'Dei Verbum' (Nr. 12) gelehrt hat, erfordert eine gute Bibelauslegung sowohl die historisch-kritische als auch die theologische Methode, denn die Heilige Schrift ist Gottes Wort in menschlichen Worten". Die Bibel sei auch ein literarisches Werk, ja der "große Kodex der Weltkultur", aber sie dürfe nicht des göttlichen Elements entkleidet werden, sie müsse in dem selben Geist gelesen werden, in dem sie abgefasst wurde. Wissenschaftliche Exegese und "lectio divina" (geistliche Schriftlesung) seien daher beide notwendig und ergänzten einander.

Im Petersdom warnte Benedikt XVI. in seiner Predigt vor einem eigenmächtigen und subjektivistischen Umgang mit der Heiligen Schrift. Sie gehöre unverzichtbar ins Zentrum der Kirche, sei "ein Faktum der Kirche", sie habe unmittelbare Auswirkungen auf das Verhältnis des Christen zu Gott und den Mitmenschen. Die Gottes- und Nächstenliebe setze einen lebendigen Umgang mit der Heiligen Schrift voraus. Die Heilige Schrift sei aber auch notwendig im Dialog mit den anderen Religionen und Kulturen. Sie stehe im Dienst der Wahrheit gegen alle Ideologien und fördere den Dialog, den Gott mit allen Menschen will.

Gemeinsam mit den 253 Bischöfen aus aller Welt und den rund 100 Experten, Beobachtern und ökumenischen Gästen dankte Benedikt XVI. für den reichen Ertrag der Beratungen über "die Bedeutung der Heiligen Schrift im Leben und in der Sendung der Kirche".

Gedenken an die Kirche in China

In besonderer Weise gedachte der Papst der Kirche in China, die keinen Bischof nach Rom entsenden konnte. Er bekundete seine Solidarität mit den Gläubigen in der Volksrepublik China und würdigte ihre Treue zum Papst. "Ich möchte mich zum Sprecher der Synode machen und Gott für die Liebe der chinesischen Bischöfe zu Christus, zur Gemeinschaft mit der Universalkirche und für ihre Treue zum Nachfolger des Apostels Petrus danken", sagte Benedikt XVI. wörtlich:
"Bitten wir Gott, ihnen Freude, Kraft und apostolischen Eifer zu geben, um mit Klugheit und Weitsicht die katholische Kirche in China zu leiten, die uns so am Herzen liegt".

Facsimiles von ältester Handschrift

Zum Abschluss der Versammlung hatte Benedikt XVI. den Teilnehmern der 12. Weltbischofssynode Facsimiles von zwei Seiten des möglicherweise ältesten Manuskripts des Neuen Testaments geschenkt. Es handelt sich um das Vaterunser aus dem Lukas-Evangelium und den Prolog des Johannes-Evangeliums aus dem Bodmer-Papyrus XIV-XV. Bei diesen Papyri, die Ende 2006 in den Besitz des Vatikan gelangten, handelt es sich um die älteste Abschrift des Neuen Testaments, die auf die Zeit zwischen 175 und 225 datiert wird.

Der Bodmer-Kodex XIV-XV, dem die beiden Seiten entstammen, sei das "wertvollste Stück, das sich gegenwärtig in der Vatikanischen Bibliothek befindet", erläuterte Kurienkardinal Raffaele Farina den Synodalen. Der Kodex besteht aus 51 Blättern, die fast das gesamte Lukas-Evangelium und etwa die Hälfte des Johannes-Evangeliums umfassen.(forts mgl)
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