Gusenbauer: Ingrid Betancourt ist eine Botschafterin der Hoffnung

Woman of the Year Award 2008 an Ingrid Betancourt

Wien (OTS) - Bundeskanzler Alfred Gusenbauer überreichte heute an Ingrid Betancourt im Rahmen eines Festaktes den "Woman of the Year Award 2008". In seiner Laudatio verurteilte er dabei Gewalt als Mittel der Politik. Gusenbauer: "Die Geschichte lehrt uns, dass Gewalt nur in den seltensten Fällen ein geeignetes Mittel gegen die vorherrschende Gewalt darstellt oder sie zu überwinden vermag". Er plädierte für einen Dialog der Konfliktpartner, zu dem auch Betancourt wiederholt aufgefordert hatte. Gusenbauer: "Die Geschichte der gegenseitigen Aufrechnung, wie sie bis heute in Kolumbien oder an vielen Orten der Welt geschieht, ist niemals für einen tragfähigen Friedensschluss geeignet. Es gilt vielmehr auf andere Art und Weise den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt zu überwinden. Nur wenn zur Opferarbeit auch eine Täterarbeit abseits der regulären Gerichtsbarkeit hinzugefügt wird, kann an den Gräbern der Toten und mit den seelisch Verstümmelten jene Versöhnung stattfinden, zu der Sie aufgerufen haben."

Ingrid Betancourt, die erst im heurigen Sommer aus einer sechs Jahre dauernden Geiselhaft befreit worden war, bezeichnete er als "Überlebende des sinnlosen Terrors und gleichzeitig Botschafterin der Hoffnung, für all jene, die noch in Hoffnungslosigkeit leben und leiden". Gusenbauer: "Sie sind aus dem Schatten herausgetreten, im Augenblick ihrer Befreiung noch selbst ein Schatten ihrer selbst. Doch nun sind Sie eine Trägerin der Hoffnung."

Der Bundeskanzler erinnerte in seiner Rede auch an das Schicksal anderer Verfolgter. Gusenbauer: "Das Schicksal des Verschwindens, des staatlichen oder gegenstaatlichen Terrors ist kein regionales oder persönliches Einzelphänomen und Einzelschicksal. Hunderttausende Menschen verschwinden alljährlich weltweit unter grausamen Umständen und werden dann zum Spielball der unterschiedlichsten Machtapparate. Es ist daher für die Weltöffentlichkeit wichtig, darüber so Zeugnis abzugeben, wie Sie es tun."

Gusenbauer abschließend: "Ihnen, sehr geehrte Frau Betancourt, wurde die unwiederbringliche Freude geraubt, das Leben mit den eigenen Kindern, der eigenen Familie zu teilen. Nicht geraubt wurde Ihnen aber der Glaube an die Würde der Menschen und die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit. Ich darf Ihnen persönlich und stellvertretend für alle, die ein ähnliches Schicksal wie Sie teilen, heute diese Auszeichnung überreichen. Sie ist ein Zeichen der Solidarität mit einer Unbeugsamen."

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