"Kirche ist missionarisch, oder sie ist nicht Kirche"

In der Erzdiözese Wien begann am Sonntag mit der Verlesung eines Kanzelworts von Kardinal Schönborn der Prozess "Apostelgeschichte 2010" - Die nächsten 24 Monate werden in der Erzdiözese Wien im Zeichen der beiden Stichworte "Sammlung" und "Sendung" stehen - Ziel ist es, "durch persönliches Zeugnis Menschen für Christus zu gewinnen"

Wien, 26.10.08 (KAP) "Menschen für Christus gewinnen": So fasst Kardinal Christoph Schönborn das Ziel des Prozesses "APG 2010" zusammen, der am Sonntag mit der Verlesung eines Kanzelworts des Wiener Erzbischofs bei den Gottesdiensten in der Erzdiözese Wien begonnen hat. Wörtlich schreibt Kardinal Schönborn in "thema kirche", dem Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien: "Kirche ist missionarisch, oder sie ist nicht Kirche". "APG 2010" steht für "Apostelgeschichte" (jenen Teil der Bibel, in dem die Anfänge der Mission der Kirche beschrieben wwerden) und das Jahr 2010. Mit "APG 2010" soll die Apostelgeschichte im "hier und heute" weitergeschrieben werden. Die nächsten 24 Monate werden in der Erzdiözese Wien im Zeichen der beiden Stichworte "Sammlung" und "Sendung" stehen: In drei großen Diözesanversammlungen mit Delegierten aus allen Pfarren und Gemeinschaften will man sich den Fragen der Zeit stellen, um miteinander in Meinungs- und Erfahrungsaustausch und im Gebet "die Zeichen der Zeit zu erkennen und Antworten für die Gegenwart und Zukunft zu finden". Untrennbar gehört dazu aber auch die "Sendung", so Kardinal Schönborn: "Jesu Auftrag, zu allen Menschen zu gehen mit seiner Frohbotschaft".

In seinem Kanzelwort erinnert der Wiener Erzbischof an Parallelen zwischen "damals" und "heute": "'Unmöglich können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben', diese Antwort gaben die Apostel, als man ihnen verbieten wollte, noch weiter von Jesus zu sprechen...Sie ließen sich nicht hindern, von dem zu sprechen, was sie mit Jesus erlebt hatten. Und so geschah Mission. Keine staatliche Macht half dabei. Kein gesellschaftlicher Druck drängte dazu, Christ zu werden. Oft war das Gegenteil der Fall. Unverständnis, Widerspruch, ja Feindschaft und Verfolgung begegneten dem Christentum. Aber auch Neugierde, Sinnsuche und eine tiefe Sehnsucht nach dem 'unbekannten Gott'...Heute stehen wir wieder in einer ähnlichen Situation: Viel Gegenwind, Unverständnis, Ablehnung, aber auch viel Sehnsucht und Suche, oft nicht bei der Kirche, sondern bei zweifelhaften Quellen. Sicher ist: Wir sind neu gefordert, durch persönliches Zeugnis Menschen für Christus zu gewinnen".

Die Erfahrungen der letzten Jahre - von der "Großen Wiener Stadtmission" über den "Weinviertler Pilgerweg" bis zur "Langen Nacht der Kirchen" - hätten viele ermutigt, "den Weg der Mission bei uns neu zu entdecken", schreibt der Wiener Erzbischof: "Mit dem Prozess 'Apostelgeschichte 2010' lade ich Sie alle ein, diesen begonnenen Weg gemeinsam diözesanweit zu gehen". Die Leitfrage für "APG 2010" laute:
"Was ist es also, worüber wir heute unmöglich schweigen können?" In seiner sehr persönlichen Antwort weist Kardinal Schönborn daraufhin, dass für ihn die "Freundschaft mit Jesus" die "Grundmelodie" seines Lebens geworden sei. Mission sei für ihn immer die Einladung an andere, "das Glück dieser Freundschaft mit Gott kennenzulernen".

Zugleich erinnert der Wiener Erzbischof daran, dass er immer wieder davon berührt sei, "wie sehr diese Stadt und dieses Land vom Christentum, vom persönlichen Engagement so vieler Menschen geprägt sind". Über die ganze Erzdiözese Wien sei ein "feinmaschiges Netz an Gottes- und Nächstenliebe" gespannt, weil Christinnen und Christen "aufmerksam sehen, was zu tun ist, wo Not ist, und tatkräftig zupacken". Schmerzlich sei aber auch zu erleben, "wie vieles an christlichem Lebensverständnis heute in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt wird".

Inmitten großer Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels und der wirtschaftlichen Krise müsse sich die Kirche neu dem Auftrag aus der Sendung Jesu stellen, den Menschen die "gute Nachricht" zu bringen, schreibt Kardinal Schönborn. An dieser Sendung hätten ja alle Christen durch Taufe und Firmung Anteil. Angesichts der Größe der Aufgabe werde die "Armseligkeit der Mittel und Kräfte" schmerzlich bewusst. Aber es sei wie der "Speisung der Fünftausend", als die Apostel nur fünf Brote und zwei Fische hatten: "Wie damals gilt auch heute: Geben wir das wenige, was wir haben, Christus in die Hände. Er kann daraus viel machen".

Das "Kanzelwort" ist ein Auszug aus dem ausführlichen Hirtenbrief des Wiener Erzbischofs zum Prozess "Apostelgeschichte 2010". Der Text dieses Hirtenbriefs ist auch auf der Website der Erzdiözese Wien (www.stephanscom.at) abrufbar. (forts)
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