"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz: "Nostalgie vergeht, das BZÖ wohl auch"

Die Kleinpartei verwaltet ein Erbe, das ihr viele Nummern zu groß ist.

Wien (OTS) - Zwei Wochen nach dem Tod des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider blühen nach wie vor die wildesten Spekulationen über den Unfall und seine Ursachen - als ob 1,8 Promille (derzeitiger Stand) und ein Tempo weit jenseits der 140 km/h in einer nebligen Nacht nicht schon reichen würden.
Ein bisschen profaner als die diversen Verschwörungstheorien, politisch aber relevanter, ist die Frage, wie es mit dem BZÖ nach Jörg Haider weitergeht.
Wird der neue Landeshauptmann die Orangen bei der Wahl in Kärnten im Frühjahr dank der Haider-Nostalgie zu weiteren fünf Jahren Landesherrschaft führen? Dank maroder politischer Gegner spricht, trotz knapper Wahl am Donnerstag, einiges dafür.
Und wird das BZÖ, wenn es den unglückseligen Haider-Adlatus Stefan Petzner endgültig wieder verräumt haben wird, mit Haiders Erbe fertig? Und ist das überhaupt relevant?
Das ist es insofern, als Haider aus einem bedeutungslosen politischen Haufen allein Kraft seiner Persönlichkeit bei der letzten Wahl eine Elf-Prozent-Partei gemacht hat, die für fünf Jahre mit 21 Mandataren und einer Menge Geld im Parlament sitzt. Jetzt ist der Übervater Haider weg - nur der unstrukturierte und personell überforderte und zerstrittene Haufen ist derselbe wie vor Haider. Mit der Kür Josef Buchers zum Klubobmann im Parlament haben die Orangen gerade noch die Notbremse gezogen. Denn dass der 27-jährige Stefan Petzner, der tränenreich die "Beziehung" zu seinem "Lebensmenschen" Haider geoutet hat, entgegen allen Beteuerungen nicht der starke Mann und Stratege der Partei sein wird, ist längst klar.
Bucher, der Hotelier aus Friesach, gilt zudem als moderater und umsichtiger Politiker. Das könnte Zeichen dafür sein, dass das BZÖ die altersweise Sachlinie weiterführen will, mit der sich Haider von der FPÖ abzugrenzen versucht hat und Stimmen auch aus dem nicht-rechten Lager gewonnen hat.
Aber abgesehen davon, dass auch diese Haider-Linie nicht stringent war (Stichwort: Abschiebung von angeblich straffälligen Asylwerbern), ist mit ihr kein Blumentopf zu gewinnen, wenn es nicht eine glaubwürdige Frontfigur gibt. Einstweilen gibt es nur untereinander zerstrittene Proponenten wie die Kärntner Scheuch-Brüder, den FPÖ-Dissidenten Ewald Stadler, die Westenthalers und Scheibners, Uneinigkeit sogar im Kärntner BZÖ - und die Hoffnung, vom Haider-Mythos möglichst lange zehren zu können.
Als BVÖ (Bündnis der Vergangenheit in Österreich) werden die Orangen aber nicht viel Furore machen.
Erste Reihe fußfrei sitzt Heinz-Christian Strache und wartet. Er ist längst zum populistischen Schmied im Land geworden und muss nur warten, bis die Schmiedeln der FPÖ-Abspaltung aus der Haider-Nostalgie erwachen und zerbröseln. Und sie dann einsammeln, einzelne Funktionäre und vor allem Wähler. Zeit hat er.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
innenpolitik@kurier.at
www.kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0001