Städtebund und WKO: "Innenstadt hat Zukunft!"

Tagung behandelt Ansätze und Entwicklungsperspektiven zur Stärkung der Innenstädte

Wien (OTS) - "Stadt- und Ortszentren sind wichtige Kristallisationspunkte europäischer Stadtkultur. Ihr besonderer Reiz liegt in der einzigartigen Nutzungs- und Funktionsvielfalt aus dem Nebeneinander von Handel, Arbeiten, Wohnen und Freizeitangeboten. Mit ihren stadträumlichen Qualitäten, dem historisch gewachsenen Ortsbild und der Architektur sind sie Teil der unverwechselbaren Identität von Städten und Regionen. Nirgendwo sonst jedoch haben sich die Städte in den letzten Jahren so dynamisch verändert wie im Zentrum. Licht und Schatten der Entwicklung liegen hier dicht beieinander", so Städtebund-Generalsekretär Dr. Thomas Weninger anlässlich der heute, Donnerstag, in Wels stattfindenden Tagung "Innenstadt hat Zukunft". "In Österreich gibt es die schizophrene Situation, dass in immer mehr Gemeinden österreichweit keine Nahversorgung mehr existiert, während Einkaufszentren auf der grünen Wiese boomen", führt Dr. Hannes Mraz, Geschäftsführer der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), vor Augen. Mit 16 Millionen Quadratmeter Gesamtverkaufsfläche in Österreich - das sind zwei Quadratmeter pro Einwohner und damit mehr als beispielsweise im Nachbarland Deutschland - rangiert Österreich im Europavergleich weit vorne.****

Mit der gemeinsam von Österreichischem Städtebund und der Wirtschaftskammer Österreich veranstalteten Fachtagung soll erstmals eine Österreichweite Diskussion über praktische Möglichkeiten zur Stärkung der Innenstädte geführt werden. Rund 200 nationale und internationale Fachleute aus den Bereichen Marketing, Stadtplanung, Wissenschaft und Politik nehmen an der Veranstaltung teil.

Im Vorfeld der Tagung hat KDZ - Zentrum für Verwaltungsforschung eine Erhebung unter Österreichs Städten und Gemeinden durchgeführt, die belegt, dass bereits viel in Sachen Innenstadtbelebung getan wurde. Es handelt sich dabei vor allem um städtebauliche Maßnahmen im Bereich Verkehr (Parkgaragen, Leitsysteme etc.) und der Stadtbildgestaltung (Umbau, Erneuerung von Hauptplätzen oder Straßenzügen). Auch zukünftig stehen weiterhin bauliche Maßnahmen im Mittelpunkt der kommunalen Aktivitäten. Die Nahversorgungs-Initiative "Wir leben, wo wir kaufen - wir kaufen, wo wir leben" der WKO sieht darüber hinaus folgende weitere Notwendigkeiten: Umverteilung des Kommunalsteueraufkommens auf alle betroffenen Gemeinden, der so genannte interkommunale Finanzausgleich. In Belangen der Raumordnung tritt die Wirtschaft für einheitliche Zielvorgaben ein, die bei der Errichtung neuer Einkaufszentren "auf der grünen Wiese" die rechtliche Stellung von (Nachbar-)Gemeinden stärken.

Keine Patentrezepte

Der 'Markt' für Ideen zur Vitalisierung der Innenstadt ist vielfältig und bunt. Immer neue Modewellen - wie derzeit etwa lange Verkaufsabende in der Innenstadt oder Video-Walls zur Übertragung von Sportereignissen - werden zur Nachahmung empfohlen. Doch: Es reicht nicht aus, immer nur die guten Ideen anderer nachahmen zu wollen. Das Ziel muss Nachhaltigkeit auf der Grundlage eines eigenständigen und unverwechselbaren Profils sowie einer auf die örtlichen Bedingungen zugeschnittenen Strategie sein ("Maßanzug"). Patentrezepte gibt es dafür ebenso wenig, wie Erfolgsgarantien. Nicht alle Kommunen werden im immer härter werdenden Wettbewerb gleich erfolgreich sein können. Um so mehr ist es notwendig, die eigenen Kräfte zu fokussieren. Auch der Geschäftsführer der Bundessparte Handel, Mraz, unterstreicht:
"Eigeninitiative und Bündelung der Kräfte - beidem kommt im Bemühen, die Stadtzentren und Ortskerne wieder zu lebendigem Lebensraum für die Menschen zu machen, große Bedeutung zu."

Kooperationen notwendig

Weninger: "Keine Stadt kann allen lokalen Bedürfnissen entsprechen, durch Kooperation in der Region ist dies jedoch oftmals aber möglich." Auch der Wettbewerb der Standorte ist immer mehr zu einem überregionalen - für die größeren Städte auch internationalen -Standortwettbewerb geworden. Daher reicht es nicht länger aus, allein für den eigenen Standort Entwicklungskonzepte und Strategien zu erarbeiten und mit dem eigenen Handeln am Ende noch den kleinregionalen Wettbewerb zusätzlich zu verstärken.

Beispiel Bayern: Leben findet Innenstadt

Dass die Zukunft der Innenstädte nicht alleine Aufgabe der öffentlichen Hand ist, bestätigen die Erfahrungen der Stadterneuerung der letzten Jahrzehnte. Der Freistaat Bayern hat dazu das Projekt "Leben findet Innenstadt - öffentlich-private Kooperationen zur Standortaufwertung" ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Zusammenarbeit aller Innenstadtakteure zu optimieren und durch Eigeninitiative, innovative Idee und neue Organisationsstrukturen, Defizite und Stagnation in innerstädtischen Quartieren zu überwinden, und eine gemeinsame Standortverantwortung zu etablieren. Bayern setzt dabei auf freiwillige Kooperationsmodelle ohne legislative Vorgaben.

"Es ist wichtig, eine österreichweite Diskussion in Gang zu setzen. Zur Stärkung der 'Wirtschaftslokomotive' Stadt ist für Fragen der Stadtentwicklung im Allgemeinen und der Innenstadt im Speziellen bundesweites Bewusstsein notwendig", sagt Weninger. Dazu könne die Veranstaltung beitragen, sagt Bundessparte Handel-Geschäftsführer Mraz, der dafür plädiert, "komplexen Sachverhalte und unterschiedlichen Anliegen in einem übergeordneten Kontext zu sehen."

Der Österreichische Städtebund ist die kommunale Interessenvertretung von 250 Städten und größeren Gemeinden. Die Bundessparte Handel der WKÖ ist die gesetzliche Interessenvertretung des Handels. Der Handel ist einer der größten Arbeitgeber in Österreich, rund 500.000 Menschen haben im Handel Beschäftigung und Einkommen.(Schluss) wei/jr

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