"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Oranger Machtkampf" (Von Michael SPRENGER)

Ausgabe vom 22. Oktober 2008

Innsbruck (OTS) - Beim BZÖ tobt bereits ein Machtkampf um die Erbfolge. Ein überforderter Stefan Petzner wird dabei als Spielball missbraucht.

Das BZÖ war Jörg Haider. Für diese politische Ich-AG waren Strukturen, wie sie in anderen Parteien üblich sind, nicht notwendig. Der plötzliche Tod des Parteiführers stieß somit das Bündnis Zukunft Österreich nach dem Wahlerfolg auf Bundesebene in völlige Ratlosigkeit.

In vordemokratischer Manier einigte sich der innerste Kreis darauf, Petzner rasch zum Parteichef zu küren, weil Haider es so angedacht haben soll. Dass Stefan Petzner mit dieser Aufgabe völlig überfordert sein könnte, war den orangen Verantwortungsträgern sehr egal. Ging es doch in erster Linie darum, eine Marionette für die Machtspiele zu finden. Denn keiner wollte - natürlich mit Verweis auf die Pietät -vorzeitig seine Deckung aufgeben. Da war es jedem nur recht, einen von Weinkrämpfen gebeutelten und politisch ahnungslosen 27-Jährigen in die erste Reihe vorzuschicken. Ein zynisches Spiel.

Es ist zu befürchten, dass dieser Kampf ums politische Erbe Jörg Haiders noch eine bittere Fortsetzung findet. Denn Petzner wird die Größe nicht haben, selbst zu erkennen, dass er bei diesem Spiel untergehen wird. Und wer sollte jetzt schon ein Interesse daran haben, Petzner vorzeitig aus dem Spiel zu nehmen?

Den Freiheitlichen kann es egal sein. Sie machen es sich derweil gemütlich: erste Reihe fußfrei. Rascher als erwartet sieht sich die FPÖ als Nutznießerin des Machtkampfes im abgespaltenen dritten Lager. Das Schlusskapitel im politischen Drama "Aufstieg und Fall des BZÖ" ist eröffnet.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001