Die AUA und das lang ersehnte "Stand-alone"

"Presse"-LEITARTIKEL, vom 22.10.2008, von Franz Schellhorn

Wien (OTS) - Die AUA und das lang ersehnte "Stand-alone"

LEITARTIKEL von Franz Schellhorn

Nachdem der Austrian Airlines die potenziellen Käufer abspringen, steht sie mittlerweile ziemlich alleine da.

Die Austrian Airlines durchleben dieser Tage Zeiten, die am ehesten mit dem Begriff unglücklich zu umschreiben wären: Während die finanziell marode Fluglinie in der Vorwoche eingestehen musste, dass ihr heuer die Verluste davonlaufen werden, scheint wenige Tage später dasselbe mit den potenziellen Käufern zu passieren. Weder die deutsche Lufthansa noch die Air France/KLM-Gruppe wollte bis Dienstagmittag wie vereinbart ein verbindliches Offert für die zum Verkauf stehende AUA legen. Die Deutschen bieten nur unter schwerem Vorbehalt, den Franzosen war plötzlich der von der Republik Österreich geforderte Preis zu hoch.
Bei all dem Pech hatte die AUA noch das große Glück, dass im allerletzten Moment auch noch der dritte Bieter, die russische S7, sein Angebot zurückzog. Mit der sibirischen Fluglinie hätten die Österreicher auch keineswegs jenen strategischen Partner gefunden, der die schwer defizitäre AUA aus der Verlustzone zu führen imstande gewesen wäre. Zudem ist der AUA mit dem Rückzug der S7 eine "Verputinisierung" erspart gebliebens: Es hat sich schließlich längst herumgesprochen, dass die S7 bei weitem nicht so privat ist, wie behauptet wird. Vielmehr steht die staatliche Gazprombank (und damit der Kreml) hinter der S7, was auch die unglaubliche Kapitalkraft der Russen erklären würde.
Das alles ändert freilich nichts daran, dass die heimische Fluglinie am Ende des wochenlangen Verkaufsprozesses ziemlich blöd dasteht. Weil sehr alleine. Nun könnte man freilich auch sagen, die AUA hätte jetzt endlich jene "Stand-alone"-Lösung, die Politiker und Gewerkschafter noch immer für "charmant" halten. Dummerweise fliegt der favorisierten "Stand-alone-Lösung" namens AUA gerade die Bilanz um die Ohren. Im laufenden "Geschäfts"-Jahr drohen der Fluglinie bis zu 170 Millionen Euro Miese. Vor wenigen Wochen wurden die Verluste noch bei 70 bis 90 Millionen Euro "erwartet".
Das wäre auch nicht so schlimm, wenn die die AUA in den vergangenen Jahren ordentlich Geld verdient hätte. Das Gegenteil war leider der Fall. Selbst im konjunkturell blendenden Jahr 2007 konnte die AUA nur mit Müh' und Not in die Gewinnzone kraxeln. Unter dem Strich standen 3,3 Millionen Euro plus. Eine Summe, mit der die AUA-Flotte knapp drei Tage lang fliegen kann.
Seit Jahren spielt sich immer wieder dasselbe Drama ab: In den besten Jahren werden Minigewinne eingeflogen, während in den weitaus häufiger anzutreffenden schlechten Jahren tiefe Löcher in die AUA-Bilanz gerissen werden. Weder Eigentümervertreter noch Gewerkschafter oder Sozialpartner zeigten sich davon beeindruckt. Es wurde schöngeredet und beschwichtigt, was das Zeug hielt. Schließlich müsse man die Austrian Airlines einmal in Ruhe arbeiten lassen - was dazu führte, dass die AUA in den vergangenen acht Jahren in aller Ruhe eine halbe Milliarde Euro vernichtets hat. Das Geschäftsmodell Austrian Airlines hat eindrucksvoll bewiesen, nicht zu funktionieren. Nun wird niemand behaupten wollen, dass die Führungsriege der Austrian Airlines in den vergangenen Jahren einen tollen Job gemacht hat. Vor nicht einmal einem Jahr bezeichnete AUA-Chef Alfred Ötsch die Fluglinie noch als "saniert". Das mittlerweile nicht mehr zu leugnende Privatisierungsfiasko ist aber weniger der AUA-Führung anzulasten als dem Haupteigentümer namens Staat. Dessen Vertreter haben die Schwierigkeiten der AUA über Jahre hinweg geleugnet, obwohl sie nicht mehr zu leugnen waren (man lese im Archiv dieser Zeitung nach). Als das "Stand-alone"-Märchen nicht mehr zu halten war, kam die Lachnummer mit dem Herrn Scheich aus Arabien, der den Austrian Airlines 150 Millionen Euro zustecken wollte. Nun steht die AUA vor einem Rekordverlust und einer hartnäckigen Wirtschaftsflaute.

In diesem Umfeld ein Unternehmen zu einem vernünftigen Preis anzubringen, ist ein Kunststück. Das noch größere Kunststück ist freilich, solange mit der Sanierung zuzuwarten, bis ein Verkauf unumgänglich wird. Lufthansa wie Air France wissen, dass sie die AUA in ein paar Monaten zum Nulltarif haben können. Wie das Leben eben so spielt - oder wie es ein deutscher Fußballprofi einmal auszudrücken pflegte: Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu.
Im Falle der AUA ist es wohl nicht nur Pech - sondern auch Unvermögen. Vor allem des Staates und der von ihm bestellten Akteure. Schließlich ist für die wirtschaftliche Performance der AUA noch immer der größte Aktionär verantwortlich. Und der heißt nun einmal nicht "hoher Ölpreis".

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