Rom: Neuer Rektor der "Anima" offiziell in sein Amt eingeführt

Franz Xaver Brandmayr leitet österreichisch-deutsche Nationalstiftung und deutschsprachige Gemeinde in Rom - Bischof Kapellari: Gestaltung eines fruchtbaren Miteinanders von Staat und Kirche ist bleibender Auftrag

Rom, 21.10.08 (KAP) Der Grazer Bischof Egon Kapellari hat den neuen Rektor der österreichisch-deutsche Nationalstiftung Santa Maria dell'Anima in Rom, Franz Xaver Brandmayr, offiziell in sein Amt eingeführt. Brandmayr leitet das Priesterkolleg der "Anima" und ist zugleich Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Rom. In der Seelsorge steht ihm Kaplan Ralf Heidenreich zur Seite, der jetzt ebenfalls öffentlich vorgestellt wurde. An der Feier nahmen auch der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried und der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Msgr. Ägidius Zsifkovics, teil.

In seiner Predigt erinnerte Bischof Kapellari an die wechselhaften und stets neu zu gestaltenden Beziehungen zwischen Kirche und Staat. Schlüsselworte aus dem Evangelium seien dazu der Auftrag Jesu "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört", aber auch das Wort des Apostels Paulus aus dem Römerbrief: "Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt".

Die aus diesen Bibelworten abgeleiteten Konsequenzen seien im Laufe der Geschichte der Kirche sehr unterschiedlich gewesen, "und manche dieser Konsequenzen hatten im Urteil der Nachwelt nicht nur keine Zustimmung, sondern herbe Kritik zur Folge", so Kapellari. Über die Grenzen der Verpflichtung des Christen zur Loyalität gegenüber Staat und Regierung werde immer wieder diskutiert - bis hin zur Frage des Widerstands gegen eine schreiend ungerechte Machtausübung. Es erhebe sich auch die Frage nach der legitimen Tötung eines Tyrannen.

Der Auftrag Jesu stelle nicht nur die Frage nach dem Verhältnis von Kirche und Staat, "sondern umgreifender nach dem Verhältnis zwischen Kirche und Gesellschaft oder zwischen Kirche und Welt", so der Bischof. Dieses Verhältnis sei im Ganzen nie ohne Spannungen und Konflikte. Es habe aber immer wieder auch ein gedeihliches Miteinander gegeben, das vielen Menschen helfe, "besser zu leben, auch wenn diese Welt nicht unser letztes Haus ist".

Die Suche nach einer solchen fruchtbaren Synthese zwischen Staat bzw. Gesellschaft und Kirche sei den einzelnen Christen und der Kirche insgesamt aufgegeben, hob Kapellari hervor. Zum Dienst an diesem Dauerauftrag könnten auch das Kolleg Santa Maria dell'Anima und die deutschsprachige katholische Gemeinde in Rom "mit ihrer Herz-, Hirn-und Handkraft viel beitragen". Kapellari erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass in Santa Maria dell'Anima Papst Hadrian VI. begraben ist, der Erzieher des späteren römischen Kaisers Karl V. und spanischer "Ministerpräsident" war. Das römische Reichswappen mit dem Doppeladler sei ein "eindrucksvolles Beispiel für die oft überaus spannungsreiche Polarität von Kirche und Staat".

Die "Anima" geht auf eine Gründung der Eheleute Johann und Katharina Peters aus dem niederländischen Dordrecht zurück, die im 14. Jahrhundert ein Hospiz für "arme Leute der deutschen Nation" unter dem Titel "Sancta Maria Animarum" gründeten. Die Anfang des 16. Jahrhunderts erbaute Kirche ist bis heute Pilgerkirche sowie Zentrum und "Pfarrkirche" der deutschsprachigen Katholiken in Rom. Aus dem ehemaligen Pilger-Hospiz wurde dann 1859 ein Studienkolleg für Priester. Seither wohnten zahlreiche Priester aus den deutschsprachigen Ländern während ihres Studienaufenthaltes im "Anima-Kolleg".

Rektor und Kaplan werden in Übereinstimmung zwischen der Deutschen und der Österreichischen Bischofskonferenz bestellt. An der Amtseinführung von Rektor Brandmayr und Kaplan Heidenreich nahm daher auch der Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, teil. Bischof Kapellari würdigte die Tatsache, dass die Botschafter Deutschlands und Österreichs am Heiligen Stuhl "ein lebhaftes und hilfreiches Interesse am Gedeihen des Kollegs bekunden und dass nicht selten auch Mitglieder ihrer Regierungen diesem Haus und seiner Kirche Besuche abstatten". Dies gelte auch für die Bischöfe beider Länder, "deren Hilfe dieses Haus nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern vor allem durch die Entsendung von Priestern als hier Studierenden bedarf". Papst Benedikt XVI. sei das "Anima-Kolleg" seit Jahrzehnten besonders vertraut, schon seit seinem Wirken als Konzilstheologe und dann vor allem in seiner Zeit als Kardinal. Auch Pius XII., dessen 50. Todestag in diesen Tagen begangen wurde, sei dem Kolleg sehr verbunden gewesen.

Im April 2007 war der damalige Rektor der "Anima", Johann Hörist, völlig überraschend 46-jährig an einem Herzleiden verstorben; er habe in vielerlei Hinsicht pionierhaft gewirkt, so Kapellari. Interimistisch übernahm Gerhard Hörting, Priester der Diözese Graz-Seckau, die Leitung des Hauses. Das Priesterkolleg befand sich damals gerade in einer schwierigen Restaurierungsphase. Hörting führte die umfangreichen Bauarbeiten zeitgerecht und im vorgegebenen finanziellen Rahmen zu Abschluss. Dafür wurde er mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Die Überreichung nahm der Botschafter Österreichs beim Heiligen Stuhl, Martin Bolldorf, vor. (forts mgl)
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