Public Value im ORF: Startschuss für größtes Journalismus- und Medienforschungsprojekt in Österreich

ORF und FHWien präsentieren Forschungsprojekt als Beitrag zur Sicherung journalistischer Qualität

Wien (OTS) - Nicht nur in Österreich, auch international wird heftig über öffentlich-rechtliche Medien und ihre Positionierung diskutiert. Vor allem die Umsetzung des gesetzlichen Programmauftrags und die vermeintlich ungenügende Abgrenzung vom kommerziellen Bereich werden von privaten Anbietern kritisiert. Selbst die BBC wird nicht mehr so eindeutig wie früher als Musterschülerin perfekter Umsetzung des Public-Value-Gedankens betrachtet. Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sehen sich der Aufgabe gegenüber, neue Wege der Qualitätssicherung zu beschreiten.

Vor diesem Hintergrund präsentierten ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz, FH-Prof. Dr. Reinhard Christl, Leiter des Instituts für Journalismus und Medienmanagement der FHWien, und Dr. Klaus Unterberger, ORF-Public-Value-Kompetenzzentrum, am Dienstag, dem 21. Oktober 2008, im ORF KulturCafe das Forschungsprojekt "Public Value im ORF - Die Zukunft des Rundfunks zwischen öffentlich-rechtlichem Mehrwertgebot und wachsendem Wettbewerbsdruck".

"Aktuell beobachten wir weltweit einen Paradigmenwechsel. Die letzten Wochen haben bewusst gemacht, dass der völlige Rückzug des Staates und der dem freien Spiel der Kräfte überlassene Markt nicht in allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen zu nachhaltigen Verbesserungen führen. Damit erhalten auch öffentlich-rechtliche Medienunternehmen wieder verstärkt Rückenwind, deren Hauptzweck nicht in der Schaffung eines möglichst hohen Shareholder Values besteht, sondern darin, dem Publikum über das Programmangebot einen Mehrwert zu bieten", erklärte Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz. "Wir müssen den aktuellen Rückenwind nutzen, aber vorsichtig damit umgehen. Der ORF muss sich wichtige, zukunftsweisende Fragen stellen:
Was ist unser Public Value, welche Rolle spielt er im dualen System mit privaten Anbietern und was bedeutet er für die Gesellschaft? Das heute präsentierte Forschungsprojekt wird dazu einen wesentlichen Beitrag leisten."

"Selbstverständlich braucht auch öffentlich-rechtlicher Rundfunk Erneuerung, Innovation und kritische Reflexion. Wer von der Gesellschaft lebt, muss auch lebendiger Teil der Öffentlichkeit sein. Daher brauchen wir den Dialog mit dem Publikum und der Wissenschaft, denn Quoten und Marktanteile reichen nicht aus, um Qualität zu messen. Für den ORF ist Public Value, also der Wert und Nutzen seiner Leistungen für die Gesellschaft, eine Leitwährung für die Zukunft", ergänzte Dr. Klaus Unterberger.

Das Forschungsprojekt - mit einem Auftragsvolumen von 580.000 Euro das größte seiner Art in Österreich - beschäftigt sich intensiv mit der zukünftigen Positionierung öffentlich-rechtlicher Rundfunkanbieter und stellt in diesem Zusammenhang essenzielle Fragen nach dem Stellenwert des gesetzlichen Programmauftrags, der Messbarkeit öffentlich-rechtlichen Mehrwerts oder wie der ORF junge Zuseherinnen und Zuseher erreichen und ihm dabei gleichzeitig der Spagat zwischen Quote und Qualität gelingen kann.

Die Zielsetzung beschreibt Projektleiter FH-Prof. Dr. Reinhard Christl so: "Wir wollen mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen, wie sich der ORF adäquat auf die neuen Herausforderungen der Zukunft - durch das Internet oder neue private Konkurrenz - einstellen und diese erfolgreich bewältigen kann. Zu diesem Zweck ziehen wir öffentlich-rechtliche Sender aus anderen Ländern zum Vergleich heran und wollen feststellen, was man aus deren Arbeitsweise und Erfahrungen für Österreich ableiten kann."

Dieser Beitrag zur Sicherung der journalistischen Qualität durch externe und unabhängige Analyse soll unter anderem durch die Einbindung internationaler Experten aus Wissenschaft und Praxis in die österreichische Medien- und Qualitätsdebatte, mit der Schaffung einer öffentlich zugänglichen Informationsplattform und einem eigens zu diesem Zweck an der FHWien eingerichteten Public-Value-Forschungszentrum sichergestellt werden.

Das "Public Value"-Forschungsprojekt im Überblick

-- Projektvolumen: 580.000 Euro
-- fünf hauptberufliche Forscherinnen und Forscher
-- drei wissenschaftliche Kooperationspartner
-- Laufzeit: vier Jahre
-- Finanzierung: FHplus-Programm der FFG, MA 27 der Stadt Wien
-- finanziell, personell, politisch und inhaltlich unabhängig

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