Creditreform Firmeninsolvenzstatistik 1.-3. Quartal 2008: Die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen steigt um 5,9%

Gläubiger benötigen besseres Risikomanagement zur Insolvenzprävention

Wien (OTS) - Die endgültigen Zahlen der Insolvenzstatistik von Creditreform für das 1. bis 3. Quartal 2008 zeigen, dass die Zahl der Insolvenzeröffnungen bei Unternehmen weiter angestiegen ist. Über 2.412 Unternehmen wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, das bedeutet ein Plus von 5,9%. Die mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge sind um 6,7% weiter zurückgegangen (2.393 Fälle). Somit ist die Zahl der Gesamtunternehmensinsolvenzen mit einem Minus von 0,7% und 4.805 insolventen Unternehmen fast konstant geblieben.
Managementfehler sowie Kapitalmangel waren nach wie vor hauptverantwortlich für die steigenden Insolvenzen. Im 3. Quartal stiegen aber die Insolvenzen vermehrt aufgrund von Absatzschwierigkeiten und Umsatzeinbrüchen, was den Schluss zu lässt, dass sich die zu erwartenden Folgen der Finanzkrise (Liquiditätsengpass, schärfere Kreditvorgaben), sobald sie die Realwirtschaft erreicht haben, auf die Insolvenzentwicklung des Jahres 2008 massiv auswirken werden. Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform, fordert daher: "Die Liquiditätsknappheit aufgrund des beschädigten Vertrauens der Unternehmen führt zu einem erhöhten Insolvenzrisiko bei vielen Firmen. Daher ist ein professionelles Risiko- und Forderungsmanagement zur Absicherung der Lieferantenkredite das Gebot der Stunde. Unternehmen müssen sich mehr um ihre eigenen als auch um die Zahlen ihrer Geschäftspartner kümmern. Information schafft Vertrauen und Sicherheit." Für das Gesamtjahr 2008 rechnet Creditreform mit einem Anstieg um 2% auf rund 6.500 Firmeninsolvenzen.

Das Bundesländerranking

Den größten Zuwachs an Unternehmensinsolvenzen verzeichnete in den ersten drei Quartalen 2008 die Steiermark (+13,6%, 675 Fälle). Auch in Tirol (+2,8%, 371 Fälle) und Vorarlberg (+2,7%, 192 Fälle) kam es zu einer Zunahme an Firmeninsolvenzen. Den größten Rückgang konnten Niederösterreich (-8,7%, 747 Fälle) und Salzburg (-5,4%, 315 Fälle) verbuchen.

Für einen objektiven Vergleich hat Creditreform eine Insolvenzquote (Anzahl der Insolvenzen je 1.000 Unternehmen) errechnet. Demnach herrschte in Wien (17,6 Fälle je 1.000 Unternehmen) und im Burgenland (13,9 Fälle je 1.000 Unternehmen) die höchste Insolvenzbetroffenheit. Auch in der Steiermark (13,6) und in Kärnten (13,2) war die Insolvenzquote relativ hoch und über dem Österreichdurchschnitt von rund 13 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen.

Das Branchenranking

Die relativ am stärksten betroffene Branche ist nah wie vor das Bauwesen (751 Insolvenzen, -1,4%). In diesem Bereich gingen knapp 31 von 1.000 Unternehmen in Insolvenz. Ebenso ist die Branche "Verkehr-und Nachrichtenübermittlung" mit über 25 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen stark insolvenzgefährdet. Den stärksten Zuwachs meldete die Branche "Kredit- und Versicherungswesen" mit plus 14,5% auf 87 Insolvenzen. Die stärksten Rückgänge verzeichneten die Branche "Sachgütererzeugung" mit minus 9,3% (auf 293 Fälle) und der Handel mit minus 6,5% (auf 944 Fälle).

Finanzkrise macht deutlich: Risikomanagement besonders gefordert

Die von Creditreform schon im 1. Halbjahr 2008 erstmals seit zwei Jahren beobachtete Trendwende mit einem Zuwachs an eröffneten Unternehmensinsolvenzen setzte sich im 3. Quartal verstärkt fort. Bereits vor einem halben Jahr haben über 84% der von Creditreform befragten österreichischen KMU die Erwartung gehabt, dass sich die Finanzkrise auf die hiesige Realwirtschaft auswirken werde. 45% hatten damals bereits festgestellt, dass die Kreditzinsen angestiegen sind. 41% rechneten für die Zukunft damit, dass die Banken höhere Sicherheiten verlangen würden. Die sich seit Wochen überschlagenden Ereignisse auf den weltweiten Finanz- und Kapitalmärkten haben diese Befürchtungen tatsächlich eintreten lassen. Der Vertrauensverlust der Banken untereinander wirkte und wirkt sich auch auf das Vertrauen in die gesamtwirtschaftliche Entwicklung aus. Auch Unternehmen, welche auf einem gesunden Fundament stehen, bekommen somit die Auswirkungen der Rezessionsangst zu spüren. Waren zunächst nur die börsennotierten Unternehmen vom Sog nach unten betroffen, bringen die verschärften Kreditvergaberichtlinien auch die KMU unter Zugzwang. Zu den Zukunftsaussichten meint Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Professionelles Risiko- und Forderungsmanagement ist derzeit mehr denn je gefragt. Denn Forderungsausfälle sind in wirtschaftlich schlechter werdenden Zeiten noch schwerer zu bewältigen."

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