Papst ruft in Pompei zur Stärkung der Familie auf

Benedikt XVI. erinnert an den Pompei-Gründer Bartolo Longo, der wie Paulus vom "Verfolger der Kirche" zum "Apostel" wurde

Rom, 19.10.08 (KAP) Für den Schutz und die Stärkung der Familie als Grundzelle der Gesellschaft hat sich Papst Benedikt XVI. am Sonntag bei seiner Pilgerfahrt nach Pompei ausgesprochen. Die Christen müssen "Motor einer religiösen und sozialen Erneuerung" sein, sagte er vor 35.000 Menschen, die sich um das Marienheiligtum versammelt hatten, das wenige Kilometer von den Ruinen der vom Vesuv verschütteten antiken Stadt entfernt liegt. An Orten wie Pompei finde das christliche Volk, "die Leute, die ein opferreiches Leben führen müssen", die Kraft, um kompromisslos im Guten auszuharren, so Benedikt XVI.

Insbesondere rief der Papst zur Solidarität mit den Armen, Kleinen und Ausgegrenzten auf, die in ihrer Würde akzeptiert und gefördert werden müssten. Gottesliebe und Nächstenliebe seien "untrennbar miteinander verbunden", sagte Benedikt XVI. unter Hinweis auf die vom selig gesprochenen Bartolo Longo (1841-1926) gegründete Wallfahrtsbasilika mit dem angeschlossenen Sozialzentrum in Pompei. Die Rosenkranz-Basilika von Pompei gehört mit vier Millionen Wallfahrern jährlich zu den meistbesuchten Pilgerstätten Italiens.

Benedikt XVI. war am Sonntagmorgen per Hubschrauber aus dem Vatikan eingetroffen. Nach der Landung auf freiem Feld nahe des Wallfahrtszentrums wurde er von den Spitzen aus Politik und Kirche begrüßt. Die Messe unter freiem Himmel war Höhepunkt des zehnstündigen Besuchs.

Das Wallfahrts-Heiligtum und das Sozialzentrum seien keine "Kathedrale in der Wüste", sagte der Papst in seiner mehrfach von Applaus unterbrochenen Predigt. Sie seien vielmehr eingefügt in das Umland, um es zu fördern und zu befreien, betonte Benedikt XVI. in Anspielung auf die sozialen Schwierigkeiten der Region. Basilika und Sozialzentrum seien gleichsam eine "Zitadelle Mariens und der Nächstenliebe". "Die Kraft dieser Liebe ist unwiderstehlich. Es ist eine Liebe, die die Welt wirklich vorwärts bringt", sagte der Papst.

Während der Messe waren Spruchbänder zu sehen, auf denen die Heiligsprechung von Bartolo Longo gefordert wurde. Der Gründer des Heiligtums und des Sozialzentrums war 1980 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen worden.

Benedikt XVI. erinnerte in seiner Predigt an die faszinierende Lebensgeschichte von Bartolo Longo, der sich wie der Heilige Paulus von einem "Verfolger der Kirche" zu einem "Apostel" gewandelt habe. Die spirituelle Krise und die Bekehrung Longos seien nach wie vor von höchster Aktualität, weil es "ähnliche Tendenzen" wie im 19. Jahrhundert auch heute gebe. Als Student habe sich Longo unter dem Einfluss der (in Neapel besonders stark präsenten) positivistischen Philosophie vom christlichen Glauben abgewendet und sei ein militanter Antiklerikaler geworden, der sich noch dazu spiritistischen und abergläubischen Praktiken hingab. Dann sei die Bekehrung gekommen und Bartolo Longo sei zum "Apostel des Rosenkranzes" geworden, der für ihn eine "Synthese des Evangeliums" darstellte. Schließlich habe Longo die Wallfahrtskirche gegründet. (forts)
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