- 17.10.2008, 19:01:07
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Abseits der Jörg-Haider-Hysterie
"Oberösterreichische Nachrichten"-Leitartikel von Gerald Mandlbauer, Ausgabe vom 18. 10. 2008
Wien (OTS) - In Kärnten wird heute ein Politiker zu Grabe
getragen, dem nicht einmal seine Gegner das Attribut der
Außergewöhnlichkeit bestreiten werden. Jörg Haider war sich als
Person Programm genug, und das reichte, um die österreichische
Politik vor sich her zu treiben. An seiner Figur bestätigt sich das
weise Wort, wonach es die außergewöhnlichen Personen und nicht die
Ideologien oder Konzepte seien, die den Lauf der politischen Dinge
bestimmten.
Dieses Eingeständnis der Außerordentlichkeit eines Haider hat nichts
mit Verklärung zu tun, wie sie dem "König der Kärntner Herzen"
momentan zuteil wird. Mit gebührendem Abstand wird die
Haider-Hysterie einer differenzierten Bilanz weichen, und der
Demagoge wird dahinter erkennbar werden, dessen Wesen darin bestanden
hat, Gruppen gegeneinander auszuspielen.
Trotzdem bleibt das Faktum einer außerordentlichen Begabung bestehen.
Gesegnet ist unser Land nicht gerade mit Leuten dieses Zuschnittes.
Chefredakteurs-Kollege Christoph Kotanko hat im "Kurier" diesen
Mangel an politischen Persönlichkeiten als österreichische Schwäche
markiert, und er tut recht daran. Unsere politische Bühne birst nicht
unter der Gestaltungskraft jener Akteure, die über das verfügen, was
im englischen Begriff "leadership" wohl am besten zum Ausdruck kommt.
So ist uns eine Koalition neuen Zuschnitts versprochen. Doch in den
Verhandlungsteams sitzt nicht der Wille zur Veränderung, vielmehr
treffen wir dort lauter altbekannte Gesichter. Schlimmer noch: Das
zentrale Problem der Innenpolitik neben der Finanzkrise (die durch
ausländisches Krisenmanagement bekämpft wird) werden zwei eiserne
Gewerkschafter als Verhandlungsleiter angehen. Wilhelm Haberzettl
(Eisenbahner) und Fritz Neugebauer (Beamte) sollen die kaputten
Krankenkassen sanieren. Dies bedeutet den Adelsschlag für das Prinzip
der Blockade und des Dagegenseins. Wenn dies das Wesen der neuen
Koalition sein soll, dann gute Nacht.
Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten
Chef vom Dienst
Tel.: +43-732-7805-401 od. 434
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