"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Immer an den Regeln vorbei" (Von WOLFGANG SABLATNIG)

Ausgabe vom 17. Oktober 2008

Innsbruck (OTS) - Kärnten hat einen Landeshauptmann verloren, der auch Landesvater war", erklärt der neue BZÖ-Chef Stefan Petzner den Kärntner Ausnahmezustand nach dem Tod Jörg Haiders. In Klagenfurt stellen sich Unzählige an, um Abschied zu nehmen. Trauer ist notwendig, für die Familie, für Freunde, für die Anhänger - egal, wie fragwürdig die Umstände des tödlichen Unfalls waren.

Haider hatte viele Anhänger, die über "ihren Jörg" nichts kommen lassen. Seine Beliebtheit nährte sich aus der Allgegenwart, von einem Fest zum nächsten Lokal, ohne Rücksicht auf Grenzen.

Dabei erfuhr Haider aber auch, wo seine Landsleute der Schuh drückt. Teuerungsausgleich? Kein Problem, Prüfung der Bedürftigkeit und Auszahlung direkt im Vorzimmer des Landesfürsten. Gewalttätige Asylwerber? Weg aus Kärnten, und zwar schnell, der Verdacht allein genügt. Hohe Spritpreise? Das Land kann ja Diesel zum Einstandspreis abgeben.

Der Populist Haider hat sich so in den Herzen der Kärntner seinen Platz als "Landesvater" gesichert. Zu einem hohen Preis. Almosen ersetzten moderne Sozialpolitik, das Landesbudget litt darunter. Für Ausländer wurde der Rechtsstaat teilweise außer Kraft gesetzt, in Sachen Ortstafeln galten sowieso keine Gesetze. Haiders Kokettieren galt den Extremen, die Emotion hatte absoluten Vorrang.

Erst diese Züge machten ihn zum emotionalen Landesvater. Des Erfolges wegen mag das modern scheinen; mit aufgeklärtem Politikverständnis hat dieses Landesfürstentum aber ebenso wenig zu tun wie der Personenkult, den Haiders Nachfolger um ihr Idol inszenieren.

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