Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Die Welt geht unter"

Ausgabe vom 17. Oktober 2008

Wien (OTS) - Um den Weltuntergang abzuwenden, stellen weltweit Regierungen Unsummen bereit. Zum Glück vorerst nur theoretisch als Sedativum in der Finanzkrise - sonst würde dadurch erst recht der Weltuntergang einer Hyperinflation ausgelöst.

Um ökologisch den Weltuntergang abzuwenden, sind schon Unsummen aufgewendet worden. Und vor allem in der EU wird ständig nach noch mehr Geld gerufen. Die CO2-Panik hat freilich das Pech, von der Finanzpanik überholt worden zu sein.

Der Abstand zwischen den diversen Weltuntergängen wird immer knapper. Vor kurzem sind uns die Lebensmittel ausgegangen. Und zugleich haben wir wieder einmal das letzte Öl verbraucht.

Davor sind wir alle an der Vogelgrippe, an Sars, Aids und einem halben Dutzend anderer Krankheiten verstorben. Und noch früher haben uns abwechselnd Atome, Gene und Hormone ausgerottet oder jeden Überlebenden mit zumindest drei Köpfen versehen. Wären wir nicht ohnedies schon längst an den Folgen des sauren Regens, des Ozonlochs, des Waldsterbens, des Wassermangels oder der Rückkehr des Faschismus verreckt.

Es ist freilich so: Wenn ständig "Wolf" gerufen wird, dann wird halt eines Tages niemand mehr mit den Ohren wackeln, sollte sich uns wirklich einmal so ein Raubtier nähern.

Das heißt natürlich nicht, dass all diese Schrecken so irrelevant sein müssen wie der Flug eines Schmetterlings in China. Das heißt vielmehr, dass uns niemand das eigene Nachdenken darüber abnehmen kann, wo die wirklichen Gefahren lauern.

Jede Panik ermöglicht der Politik neue Schulden und Steuern. Den Massenmedien ermöglichen dramatisierte Paniken höhere Auflagen, da der kräftige Reiz der Angst vor etwa ganz Neuem eine blasierte Öffentlichkeit halt mehr erregt als eine Leiche im Gürtelcafé. Gleichzeitig werden Medien, Politik und Öffentlichkeit selbst immer stärker von PR-Agenten und sogenannten Nichtregierungsorganisationen manipuliert. Was sie leider immer weniger durchschauen. Alle Paniken haben eines gemeinsam: Irgendjemand verdient an ihnen sehr gut, wenn sie nur gut genug inszeniert sind - Experten, NGOs, Windraderzeuger, Anleger, Pharmafirmen, Forschungsinstitute, radikale Gruppen.

So wie früher Sekten davon gelebt haben, dass sie regelmäßig Weltuntergänge prophezeit haben.

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