Immer weniger Tschetschenen bekommen Asyl

UNHCR präsentiert erstmals "Asyl-Barometer"

Wien (UNHCR) - Im Jahresvergleich gaben Österreichs Asylbehörden in den ersten drei Quartalen 2008 mehr Menschen aus der Türkei den Flüchtlingsstatus und weniger Tschetschenen. Insgesamt ging die Zahl der Menschen, die in Österreich Asyl erhielten, von gut 3600 im Jahr 2007 auf etwa 2700 heuer zurück. Das sind zwei Hauptaussagen des "Asyl-Barometers", das am Donnerstag erstmals auf der UNHCR-Homepage (www.unhcr.at) veröffentlicht wurde. Dafür haben die Experten der Weltflüchtlingsorganisation Statistiken des Innenministeriums über anerkannte Flüchtlinge ausgewertet, um aktuelle Trends festzustellen.

Während von Jänner bis September 2007 in Österreich noch 3627 Menschen den Flüchtlingsstatus und damit eine neue Heimat erhielten, waren es heuer 2715 Flüchtlinge*. Zwei Drittel davon kamen aus nur fünf Staaten: Afghanistan (362), Türkei (204), Irak (173), Iran (151) und - allen voran - Russland (1094, zumeist Tschetschenen). Zum Vergleich: Aus allen Staaten Afrikas zusammen wurden gerade 179 Männer und Frauen anerkannt. (In Österreich stammt nur ein geringer Prozentsatz der Asylwerber aus Afrika.)

Doch die Anerkennungsrate, also der Anteil der Asylgewährungen im Gegensatz zu negativen Bescheiden, ist auch bei den Top-Nationalitäten unterschiedlich. Nach dem dritten Quartal 2008 lag sie für Personen aus der Russischen Föderation bei 49,5 Prozent - ein deutliches Minus gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007 mit einer Anerkennungsrate von 83,5 Prozent. Keine große Veränderung zeigte sich bei Afghanen (72,5 gegenüber 74,6%), ein Anstieg bei Menschen aus der Türkei (44,0 statt 21,6 %). Die allgemeine Anerkennungsrate ist von 41,2 Prozent im Vorjahr auf 35,5 zurückgegangen (In Deutschland lag sie zuletzt bei 51,7 Prozent.)

Von Jänner bis September 2008 stellten die Asylbehörden insgesamt 7653 positive und negative Asylbescheide aus, 2007 im gleichen Zeitraum 8804.

Mit dem Asyl-Barometer auf seiner Homepage will das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR eine Orientierungshilfe für die interessierte Öffentlichkeit bieten. "Wer hier die Trends klar sieht", erläutert UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer, "kann bessere Maßnahmen für eine rasche Integration bestimmter Flüchtlingsgruppen setzen. Ein positiver Asylbescheid ist ja noch keine gelungene Integration." Angesichts von "Vorurteilsgerede über bestimmte Nationalitäten" erinnert die Organisation daran, dass "eine unvoreingenommene Prüfung jedes einzelnen Asylantrags ein Gebot der Fairness ist". ____________________________________________________________________ * Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention. Subsidiär Schutzberechtigte, also Flüchtlinge auf Basis der Europäischen Menschenrechtskonvention können nicht hinzugezählt werden, weil es so zu Doppel-Zählungen käme. Oft bekommt jemand zuerst subsidiären Schutz und dann stattdessen den Status nach der Genfer Flüchtlingskonvention.

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