Ludwig fordert Ausdehnung der Einlagensicherung auf Wohnbaubanken

Nachfrageeinbruch könnte zu Verteuerung des geförderten Wohnbaus führen

Wien (OTS) - Die internationale Finanzkrise hat auch in Österreich Auswirkungen. Anleger vertrauen zurzeit hauptsächlich Sparprodukten, deren Einlagen staatlich geschützt sind. Vor diesem Hintergrund droht nun den Wohnbaubanken, die von dem dieser Tage geschnürten Maßnahmenpaket der Bundesregierung und der damit verbundenen Einlagensicherung noch nicht berücksichtigt wurden, ein massiver Einbruch der Nachfrage. Diese gegenwärtige Situation hätte wiederum eine Verteuerung des Wohnbaus und damit auch der Mieten zur Folge. Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig: "Wohnbauanleihen stehen bis dato nicht unter staatlichem Schutz. Obwohl sie als sehr sicher angesehen werden, macht sich auch bei ihnen der Vertrauensverlust bei den Anlegern bemerkbar. Daher appelliere ich an die österreichische Bundesregierung die staatliche Einlagensicherung auch auf die Wohnbaubanken auszudehnen."****

Während Sparguthaben und Bauspareinlagen im Zuge der internationalen Finanzkrise von der Bundesregierung geschützt wurden, blieben Wohnbauanleihen davon unbetroffen. Als Folge davon zeichnet sich nun ein deutlicher Rückgang des Interesses bei Privatanlegern für die - als sehr sicher geltende Form der Geldanlage mit Kapitalgarantie - ab. Ludwig: "Die Wohnbaubanken in Österreich stellen den Bauträgern für Wohnungsneubauten, aber auch für Sanierungen, günstige Darlehen zur Verfügung. Ohne diese niedrig verzinsten Kredite müssten die gemeinnützigen Bauträger ihre Projekte über teurere Darlehen des freien Marktes finanzieren. Das würde deutlich höhere Finanzierungskosten und in Folge auch wesentlich höhere Mieten bedeuten. Die Preisvorteile für die Mieterinnen und Mieter durch die Unterstützungen des Landes Wien aus Mitteln der Wohnbauförderung würden verpuffen."

Stellenwert der Wohnbaubanken für den geförderten Wohnbau

Derzeit werden in Wien rund 7.000 geförderte Wohnungen jährlich errichtet und 10.000 Wohnungen gefördert saniert. Der überwiegende Großteil davon wird neben den Mitteln der Wohnbauförderung durch Gelder der heimischen Wohnbaubanken finanziert. Für den geförderten Wohnbau in Wien spielen daher im Bereich der Finanzierung der Bauprojekte die Wohnbaubanken eine besondere Rolle, da diese Wohnbaubank-Anleihen emittieren. Die Emissionserlöse aus dem Verkauf von Wohnbaubank-Anleihen dienen als Refinanzierungsbasis für Darlehensgewährungen zur Schaffung von Wohnraum bzw. deren Sanierung im Sinne des Bundesgesetzes über steuerliche Maßnahmen zur Förderung des Wohnbaus. Zweck des Gesetzes ist die Aufbringung von Privatkapital (durch Steuervorteile), um leistbaren Wohnraum sicherzustellen. Bis zum 31. August 2008 beliefen sich diese Einlagen - Zeichner sind überwiegend Privatpersonen - auf rund 4,14 Milliarden Euro und in ebendieser Höhe auch die Darlehensgewährungen.

Insgesamt wurden von allen Wohnbaubanken bis 31. Dezember 2007 mehr als 13 Milliarden Euro dem Wohnbau in Österreich zur Verfügung gestellt. Hauptzielgruppe sind mit rund 70 Prozent die gemeinnützigen Wohnbauträger, bei denen es seit 25 Jahren keinen Ausfall gab und die die Darlehen fast ausschließlich für den geförderten Mietwohnungsbau verwenden. Der Rest verteilt sich primär auf Gebietskörperschaften (insbesondere Stadt Wien und natürliche Personen).

Ohne Einlagensicherung droht massiver Preisschub im Wohnbau

Wie der gesamte Finanzbereich sind auch die Wohnbaubanken von der gegenwärtige Finanzmarktsituation und der damit einhergehenden Verunsicherung betroffen. Der Umstand, dass die Wohnbaubanken nicht im Maßnahmenpaket der Bundesregierung berücksichtigt wurden, verschärft die Situation zusätzlich. Denn das Vertrauen der Anleger konnte durch die staatliche Einlagensicherung weitgehend zurück gewonnen werden. Produkten jedoch, die von dieser Einlagensicherung nicht erfasst sind, droht ein radikaler Nachfrageeinbruch. Und dies hätte im Bereich der Wohnbaubanken folgende schwerwiegende Auswirkungen:

o der Verkauf von Wohnbauanleihen stagniert o Privatpersonen verkaufen verstärkt ältere Wohnbaubank-Anleihen

Das hätte wiederum zur Folge, dass:

o die (von den internationalen Geld- und Kapitalmärkten bisher nur gering beeinflusste) günstige Refinanzierungsbasis wegfällt und damit einhergehend eine wesentliche Verteuerung für den sozialen Wohnbau durch die weitaus höheren Geldbeschaffungskosten, welche wiederum zu einer deutlichen Verteuerung der Mieten führen, entsteht, bzw. o ein Finanzierungsstopp aufgrund der knappen Liquidität wiederum starke negative Auswirkung auf die Konjunktur hat. Der Wohnbau wird generell als Konjunkturlokomotive gesehen und hat daher für die unmittelbare Zukunft noch stärker an Bedeutung gewonnen.

Finanzierungskosten für den Wohnbau rasch stabilisieren

"Ein radikaler Nachfrageeinbruch bei den Wohnbaubanken hätte nicht nur eine Verteuerung des geförderten Wiener Wohnungsmarkts zur Folge, sondern würde auch einem Konjunktureinbruch Vorschub leisten", warnt der Wiener Wohnbaustadtrat. "Ich appelliere daher an die Bundesregierung, auch Wohnbaubankanleihen in die staatliche Einlagensicherung aufzunehmen, um das Vertrauen bei den privaten Anlegern rasch wieder herzustellen. Gerade in Zeiten, in denen das allgemeine Zinsniveau steigt, wird damit ein erheblicher Beitrag zur Attraktivität des Finanzierungsinstrumentes Wohnbaubankanleihe und somit zur Stabilisierung der Finanzierungskosten des Wohnbaus geleistet", so Ludwig abschließend. (Schluss) csi/da

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