Moskauer Patriarch Aleksij II. kommt am 20. Dezember nach Wien

Bischof Hilarion präsentierte bei Pressekonferenz Programm des Patriarchenbesuchs - Höhepunkt des Besuchs ist die Weihe der restaurierten russisch-orthodoxen Nikolauskathedrale in Wien -Treffen mit Spitzenvertretern von Kirche und Politik - Anerkennung der russischen Diözese in Österreich kommt voran - Achtung Sperrfrist, Donnerstag, 16.10., 11.30 Uhr

Wien, 16.10.08 (KAP) Der Moskauer Patriarch Aleksij II. besucht von 20. bis 23. Dezember Österreich. Anlass des Besuchs, der auf Einladung von Kardinal Christoph Schönborn und des Wiener russischen Bischofs Hilarion (Alfejew) zustande kommt, ist die Weihe der in fast fünfjähriger Arbeit komplett restaurierten Wiener russisch-orthodoxen Nikolauskathedrale, der größten russisch-orthodoxen Kathedrale im westlichen Europa. Bei einer Pressekonferenz in Wien erläuterte Bischof Hilarion am Donnerstag das Programm des Patriarchenbesuchs, das auch ökumenische, politische und musikalische Akzente setzt.

Den Auftakt des Besuchs bildet am 20. Dezember eine Kranzniederlegung am Denkmal für die Soldaten der Roten Armee auf dem Wiener Schwarzenbergplatz. Höhepunkte des ersten Besuchstages sind am Abend (18.30 Uhr) der Besuch der Sonderausstellung "Ikonen unter Hammer und Sichel - Die russisch-orthodoxe Kirche im 20. Jahrhundert" im Wiener Dom- und Diözesanmuseum sowie ein Abendessen, zu dem Kardinal Schönborn lädt. Die Ausstellung im Dommuseum, die den Leidensweg der russischen Kirche während der Jahrzehnte der kommunistischen Verfolgung und Unterdrückung aufzeigt, ist erstmals im westlichen Europa zu sehen.

Der zweite Tag des Besuchs (21. Dezember) steht ganz im Zeichen der Liturgie und geistlicher Begegnungen. Den Auftakt bildet zunächst die Einweihung der Nikolauskathedrale (9.30 Uhr) und die nachfolgende Feier der Heiligen Liturgie. Am Abend (ab 19 Uhr) wird die russische Delegation dann einer Einladung des Propstes von Stift Klosterneuburg, Generalabt Bernhard Backovsky, folgen und das niederösterreichische Augustiner-Chorherrenstift besuchen.

Im Rahmen dieses Besuches wird die Delegation u.a. den berühmten "Verduner Altar" besichtigen und an einem adventlichen Kirchenkonzert in der Basilika teilnehmen. Höchste Repräsentanten der christlichen Kirchen werden anschließend im 500 Jahre alten "Binderstadl" des Stiftes zu vertraulichen Gesprächen mit der russischen Delegation zusammentreffen.

Der dritte Besuchstag steht im Zeichen der politischen Gespräche und findet seinen Höhepunkt schließlich in einem großen Weihnachtskonzert im Wiener Konzerthaus. Am Vormittag (10.30 Uhr) wird Patriarch Aleksij II. mit Bundespräsident Heinz Fischer in der Wiener Hofburg zusammentreffen. Im Anschluss daran findet eine Pressekonferenz statt. Ab 17 Uhr richtet die Botschaft der Russischen Föderation in Wien einen Empfang zu Ehren des Besuchs von Patriarch Aleksij aus. Im Rahmen dieses Empfangs wird der Patriarch Personen auszeichnen, die sich in besonderem Maße um die Renovierung der russischen Kathedrale verdient gemacht haben.

Am Abend folgt das Weihnachtskonzerts im Großen Saal des Wiener Konzerthauses. Zur Aufführung kommt dabei auch ein 2007 von Bischof Hilarion komponiertes Weihnachtsoratorium. Eigens aus Moskau eingeflogen werden aus diesem Anlass das führende russische Musikensemble, das Große Tschaikowskij-Symphonieorchester, sowie weitere drei Chöre. Auch die Wiener Sängerknaben sind an der Aufführung beteiligt.

Am Dienstag, 23. Dezember, wird Patriarch Aleksij zunächst gegen 10.30 Uhr den Wiener Zentralfriedhof besuchen, wo er in der restaurierten russisch-orthodoxen Lazarus-Kirche sowie an den Gräbern sowjetischer Soldaten beten wird. Um 12 Uhr wird er dann den Rückflug antreten.

Begleitet wird Patriarch Aleksij von einer hochrangigen Delegation, darunter dem Vorsitzenden des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kirill von Smolensk, sowie dem Oberhaupt der autonomen orthodoxen Kirche von Moldawien, Metropolit Vladimir (Cantarian). Aber auch Gäste aus anderen Kirchen kommen aus Anlass des Patriarchenbesuchs nach Wien, so der ungarische Kardinal-Primas Peter Erdö (der auch Vorsitzender des "Rates der Europäischen Bischofskonferenzen"/CCEE ist), das Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Finnland, Erzbischof Jukka Paarma, sowie der anglikanische Bischof von Gibraltar, Geoffrey Rowell.

"Neues Modell" für Orthodoxe Kirche

Wie Bischof Hilarion bei der Pressekonferenz in Wien mitteilte, werde der Patriarchenbesuch in Österreich durch eine für die russisch-orthodoxe Kirche erfreuliche Entwicklung begleitet. Es gebe deutliche Fortschritte in Richtung einer offiziellen Anerkennung der russisch-orthodoxen Diözese "Wien und Österreich" durch den österreichischen Staat. Im derzeit gültigen Orthodoxengesetz aus dem Jahr 1967 ist nur die Anerkennung der Diözese des Ökumenischen Patriarchats vorgesehen. Andere orthodoxe Kirchen werden nur über ihre Gemeinden registriert.

Der Metropolit der Diözese des Ökumenischen Patriarchats, Michael Staikos, habe bei einem Treffen am 10. Oktober sein Verständnis für die Notwendigkeit der Anerkennung der russisch-orthodoxen Diözese zum Ausdruck gebracht, teilte Bischof Hilarion mit. Wörtlich sagte der Bischof: "Wir haben vereinbart, dass wir gemeinsam an jenem neuen Modell der Einrichtung der Orthodoxen Kirche in Österreich arbeiten werden, das sowohl die orthodoxen Kirchen als auch den österreichischen Staat zufriedenstellen wird"."

Die russisch-orthodoxe Kirche stelle heute eine "multinationale Kirche von Weltmaßstab" dar, unterstrich der Wiener russische Bischof bei der Pressekonferenz. Sie sei nicht nur innerhalb der Russischen Föderation mit einem Anteil von rund 70 Prozent der Bevölkerung und mehr als 13.000 Gemeinden die mit Abstand größte Konfession; auch in der Ukraine (11.000 Gemeinden), in Weißrussland (1.000 Gemeinden) sowie in Lettland (200 Gemeinden) stelle die russisch-orthodoxe Kirche die dominierende Konfession dar. Große russisch-orthodoxe Minderheiten gebe es darüber hinaus in Estland, Litauen, Kasachstan und in anderen Staaten Zentralasiens. In Europa, Nord- und Südamerika sowie in der Antarktis gehörten dem Moskauer Patriarchat weitere rund 300 Gemeinden an.

Die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit ihrer ideologischen Grundlage eines "wissenschaftlichen Atheismus" habe für die russisch-orthodoxe Kirche eine "nie dagewesene religiöse Wiedergeburt" bedeutet, so Hilarion. Die Zahl der Gemeinden habe sich seit Anfang der neunziger Jahre verfünffacht (Ende der achtziger Jahre gab es 6.000 Gemeinden, heute sind es 30.000), Klöster und Priesterseminare seien voll, von einer "Krise der Berufungen" sei in den Ländern des postsowjetischen Raums nichts zu spüren, so Hilarion.

Musikalischer Akzent

Über den musikalischen Akzent des Patriarchenbesuchs informierte Erzdiakon Viktor Schilowsky, der im "Weihnachtsoratorium" den Part des Evangelisten singen wird. Wie Schilowsky betonte, zeichne sich das Werk Bischof Hilarions durch eine "melodische Frische" aus. Musikalisch setze das Werk deutlich die dramatische Entwicklung "von der Finsternis hin zum Licht" um, so Schilowsky, "von der quälenden Erwartung des Messias zur jauchzenden Freude über die Errettung der Menschheit".

Böhler: Ikonen sind "identitätsstiftendes Symbol"

Bernhard Böhler, Direktor des Wiener Dom- und Diözesanmuseums, informierte bei der Pressekonferenz über die Ausstellung "Ikonen unter Hammer und Sichel - Die russisch-orthodoxe Kirche im 20. Jahrhundert", die am Abend des 20. Dezember von Patriarch Aleksij besucht werden wird. Wie Böhler betonte, setze die Ausstellung nicht nur einen bedeutenden kunstgeschichtlichen Akzent, sondern könne darüber hinaus als "Ausdruck der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Österreich" verstanden werden, die "auch auf kirchlicher Ebene initiiert" worden seien.

Im Zentrum der Ausstellung stehe auf den ersten Blick die Ikonenkunst. Auf den zweiten Blick stelle sich jedoch heraus, dass insbesondere um die "desakralisierte Ikone" gehe, also jene Ikonen, die von den kommunistischen Machthabern aus ihrem unmittelbaren liturgischen Zusammenhang gerissen wurden. Damit seien sie "zum Mahnmal einer dunklen Epoche in der Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche im 20. Jahrhundert" geworden. Ziel der Ausstellung sei es daher nicht nur, Ikonenkunst, liturgische Gegenstände und Gewänder zu zeigen, sondern darüber hinaus auch, die Ikone als "russisches Nationalsymbol" zu begreifen, das kommunistische Verfolgungen überlebt hat und heute "als Kern der russischen Kultur und als identitätsstiftendes Symbol" eine "Renaissance" erlebe, so Böhler. Die Ausstellung, die erstmals im Raum der Europäischen Union gezeigt wird, ist bis zum 28. Februar 2009 zu sehen.

O-Töne der Pressekonferenz sind in Kürze unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar. Honorarfreie Pressefotos zur Restaurierung der Nikolauskathedrale sind unter www.katholisch.at/pressefotos abrufbar. (forts)
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