Kardinal Schönborn: Große...Türkei (2)

Österreich-Kurse für Imame

Begleitet wurde Kardinal Schönborn bei der Türkei-Visite von der Wiener Sozialethikerin Prof. Ingeborg Gabriel, dem Leiter der "Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung in der Erzdiözese Wien", Dechant Martin Rupprecht, Sr. Beatrix Mayrhofer (Katholisches Schulzentrum Friesgasse) und dem Wiener Dechanten Darius Schutzki.

Dechant Rupprecht - der die Reise seit eineinhalb Jahren vorbereitet hat - bestätigte bei dem Pressegespräch, dass das Verhältnis von Muslimen und Christen in Österreich von Seiten der türkischen Religionsbehörde sehr genau beobachtet und als vorbildhaftes Modell gewertet werde. Die türkische Religionsbehörde schätze die von Dialogbereitschaft geprägte Atmosphäre in Österreich, so Rupprecht, sowie insbesondere die Linie Kardinal Schönborns, der als "zentrale Ansprechperson weltweit" für Fragen des interreligiösen Dialogs zwischen Christentum und Islam betrachtet werde. Rupprecht wies auf die enorme Bedeutung des "Diyanet" für das interreligiöse Gespräch hin. Die Behörde mit einem Jahresbudget von rund einer Milliarde Euro habe derzeit 100.000 Mitarbeiter, 80.000 davon sind Imame.

Der Wiener Dechant - der selbst türkisch spricht - berichtete von einem neuen Projekt, das vom österreichischen Außenministerium und der türkischen Religionsbehörde in Kooperation mit der katholischen Kirche getragen wird. Ab November sollen demnach türkische Imame, die in Österreich Seelsorgeaufgaben übernehmen, zunächst einen halbjährigen Deutschkurs absolvieren; anschließend werden sie bei einem Einführungsseminar über die österreichische Kultur und die religiöse Situation in Österreich informiert. Das erste derartige Seminar wird Anfang November stattfinden.

"Intellektuelle Aufgeschlossenheit"

Als "beeindruckend" bezeichnete Prof. Ingeborg Gabriel die "intellektuelle Aufgeschlossenheit" an den islamisch-theologischen Fakultäten in der Türkei (24 gibt es derzeit im ganzen Land). Es bestehe ein "genuines Interesse" am Christentum, die islamischen Theologen hätten das Bestreben, sich aus "authentischen Quellen" über die andere Religion zu informieren. Ebenso gebe es große Aufmerksamkeit für die Auseinandersetzung mit der westlichen Philosophie.

Prof. Gabriel verwies auf ein universitäres Projekt, an dem die türkische Religionsbehörde beteiligt ist. Dabei werden die "Hadithen" (Überlieferungen von religiösen Regeln, Geboten und Schilderungen aus dem Leben des Propheten Mohammed) nach nicht-korangemäßen frauenfeindlichen Äußerungen und Anweisungen durchforstet. Übrigens stehe derzeit auch eine Frau als Dekanin an der Spitze der islamisch-theologischen Fakultät in Ankara.

Interessant sei auch die Tatsache, dass rund 1.000 Studenten aus postsowjetischen zentralasiatischen Ländern in der Türkei islamische Theologie studieren.

O-Töne des Pressegesprächs sind unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar. Honorarfreie Pressefotos sind unter www.katholisch.at/pressefotos abrufbar. (ende)
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