Arbeitsmarkt Tourismus: Lohnkosten sind nicht das Argument für eine vorzeitige Arbeitsmarktöffnung

Schenner: Wenn es um Arbeitskräfte im Tourismus geht, entscheidet "fähig und willig, nicht billig!"

Wien (PWK771) - Was die Öffnung des Arbeitsmarktes betrifft, so
hat die Tourismuswirtschaft eine ganz klare und durchargumentierte Linie, reagiert der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft (WKO), Hans Schenner, auf die heutigen Aussagen des vida - Vorsitzenden Rudolf Kaske und des Fachgruppenvorsitzenden Rudolf Komarony zum touristischen Arbeitsmarkt.

"Das ganze ist relativ einfach erklärt: Offene Stellen müssen besetzt werden, sonst haben unsere Betriebe ein Problem: Kein Umsatz. Und kein Umsatz schafft auch keine Beschäftigung!" Die aktuellen Zahlen bestätigen die Arbeitgeber: In der Sommersaison wurde mit 200.000 Vollzeit-Beschäftigten im Gastgewerbe ein absoluter Beschäftigungsrekord erzielt, bei einem gleichzeitigen Rückgang der Arbeitslosigkeit um fast 7%. Etliche offene Stellen konnten nicht oder nur sehr langsam besetzt werden. Allein über 1.000 zusätzliche Gaststättenköche wurden 2008 über die Fachkräfteverordnung aus den neuen EU Ländern genehmigt. Das war damit der Beruf mit den meisten Bewilligungen, obwohl die Verordnung ursprünglich vor allem für Schweißer und Dreher in der Industrie gedacht war.

"Da ist es nur logisch, wenn wir uns für einen EU-weit offenen Arbeitsmarkt einsetzen. In 23 Ländern der Europäischen Union gibt es bereits volle Freizügigkeit am Arbeitsmarkt, nur Deutschland und Österreich schotten sich ab. Aber gut, nachdem die vorzeitige Öffnung des Arbeitsmarktes frühestens mit 1. Mai 2009 von statten gehen wird, soll der kommende Winter für uns alle die Nagelprobe sein!", argumentiert Schenner. "Wenn im Winter weiterhin Arbeitskräfte fehlen, müsse der Arbeitsmarkt mit 1. Mai 2009 geöffnet werden. Man könne nicht bis 2011 warten, wo dann der Arbeitsmarkt ohnedies EU-konform aufgemacht werden muss", so der Obmann der Tourismussparte in der WKÖ weiter.

Das Argument der Gewerkschaft vida, wonach die Tourismusbranche dauernd nach billigen ausländischen Arbeitskräften rufe, lässt Schenner nicht gelten: "Das haben wir nicht gesagt und auch nicht gemeint. Für uns ist nur eines entscheidend: Fähig und willig, nicht billig!", reagiert Österreichs oberster Touristiker auf die heutigen Äußerungen der vida.

Es stimme jedoch, so Schenner weiter, dass einige Hausaufgaben am touristischen Arbeitsmarkt zu erledigen sind: Mobilität, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Qualifizierung etwa. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir gemeinsam mit der Gewerkschaft vida bei den Lehrlingen ein Zeichen setzen. Wir haben bereits über 14.800 Lehrlinge in der Tourismus - und Freizeitwirtschaft und immer noch fast 2.000 offene Lehrstellen. Wir sind bereit, hier mit der Gewerkschaft ein Paket zu schnüren, damit die jungen Menschen in Österreich noch mehr Lust auf eine Lehre im Tourismus bekommen."

"Ich kenne die obersten Gewerkschaftsvertreter der vida, Rudolf Kaske und Rudolf Komarony, als harte Verhandler. Aber ich weiß auch, dass auf beiden Seiten der Sozialpartner die Bereitschaft da ist, im Tourismus gemeinsam etwas weiterzubringen", zeigt sich Schenner für den kommenden Tourismus-Arbeitsmarktgipfel am 25. November optimistisch. (hp)

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