Industrie zur Finanzkrise: Für Konjunkturpaket, gegen Schnellschüsse

IV-Präsident Sorger: Drei konkrete Sofortmaßnahmen für Unternehmen als Teil eines Konjunkturpakets - Neue Regeln für Finanzmärkte benötigen umfassende Ursachenforschung

Wien (OTS) - (PdI) Anlässlich der heute, Mittwoch, stattfindenden Verleihung des GEWINN Börsepreises 2008 nahm der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Dr. Veit Sorger, zur internationalen Finanzkrise Stellung: "Es mag richtig sein, die Einlagen der Sparer zu sichern und Garantien für Banken abzugeben, aber ebenso notwendig ist es dann auch, die Unternehmen zu unterstützen." Im Sinne einer aktiven Kapitalmarktpolitik, mit welcher den Unternehmen der Zugang zu Kapital weiterhin gewährleistet werden solle, formulierte Sorger drei Sofortmaßnahmen als Teil eines umfassenden Konjunkturpakts:
Erstens müsste die Kreditvertrags- und Darlehensgebühr abgeschafft werden, zweitens die Gesellschaftssteuer entfallen und drittens endlich das schon länger geplante Kapitalmarktstärkungsgesetz umgesetzt werden, das Erleichterungen für Beteiligungen in mittelständischen Unternehmen bringen werde.

Diese Maßnahmen würden durch ein Ende der steuerlichen Belastung der Finanzierungskosten Investitionen fördern und damit Arbeitsplätze schaffen - "in Zeiten eines drohenden konjunkturellen Abschwungs eine absolut sinnvolle und notwendige Maßnahme", wie Sorger betonte. Der IV-Präsident verwies dabei auf die Tatsache, dass die Unternehmen zwischen 2002 und 2007 über die Wiener Börse mehr als Euro 27,2 Mrd., also rund 4,5 Mrd. Euro pro Jahr, an neuem Kapital aufbringen konnten. Heuer waren es bisher hingegen nur 1,2 Mrd. Euro. Gleichzeitig stünden durchschnittlich fünf IPOs und 15 Kapitalerhöhungen pro Jahr heuer kein einziger Börsengang und nur drei Kapitalerhöhungen gegenüber.

Sorger sprach sich zwar für neue Regeln für die Finanzmärkte aus, warnte jedoch vor Schnellschüssen: "Das Schlagwort einer 'globalen Finanzaufsicht' klingt einleuchtend, aber könnte eine Behörde in Washington die Aktivitäten einer österreichischen Bank in Mittel- und Osteuropa wirklich besser beaufsichtigen, als Behörden vor Ort?" Des weiteren sei es zwar verständlich, dass der staatliche Einfluss auf die Banken angesichts der Hilfsmaßnahmen von staatlicher Seite steigen müsse, "wenn wir aber an den Zustand der verstaatlichten Industrie in den 80er Jahren denken, erscheint diese 'Lösung' auch nicht mehr wirklich überzeugend."

Benötigt würden daher keine voreiligen Entscheidungen sondern primär eine umfassende Ursachenforschung. Überzogene, kurzfristige Ertragserwartungen und falsche Entlohnungssysteme in manchen Banken seien sicher Symptome eines überhitzten Kapitalmarktes. Nicht vergessen dürfe man aber auch "die Verantwortung einer zu expansiven Geld- und Finanzpolitik, vor allem der USA", wie der IV-Präsident hervorhob. Die Devise für eine neue Finanzmarktstruktur der Zukunft unter Zusammenwirkung von Staat und Unternehmen müsse lauten: "So viel Staat wie nötig, so viel Markt wie möglich."

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