100 Jahre Kinderfreunde: Symposium über Bildung

Legendäre Schönbrunner Schule als Impuls der Reformpädagogik - Vorträge über Geschichte und Gegenwart frühkindlicher Bildung

Wien (OTS) - PISA, Kindergarten und Schulmodelle: Wer glaubt, dass Bildungsdiskussionen und Erziehungsfragen nur dem "Super Nanny"-Zeitalter der Gegenwart entstammen, irrt. Kommenden Freitag (17.10.) erinnert das Symposium "Von Anfang an - Von den Idealen der Schönbrunner Schule bis hin zur gegenwärtigen Diskussion frühkindlicher Bildung" an eine der bildungshistorisch relevanten Weichenstellungen zu Beginn des 20. Jahrhundert, an die "Schönbrunner Schule". Anlass der Tagung sind die 100 Jahr-Feierlichkeiten der Kinderfreunde, die 1908 in Graz ihren Anfang nahmen. Weitere Themen erinnern an den Pädagogen und Erzieher Otto F. Kanitz, neuropsychologische Aspekte frühkindlicher Entwicklung und Anforderungen für PädagogInnen in der Gegenwart. Eröffnet wird das Symposium durch Bildungsstadträtin Grete Laska sowie durch die Präsidentin der Wiener Kinderfreunde, Erni Graßberger. Ort des Symposiums ist das neue Veranstaltungszentrum Schloss Schönbrunn, quasi ein symbolische Referenz an die "Schönbrunner Ideale".

Habsburgische Sommerresidenz wurde zur innovativen Bildungsakademie

Im Sommer 1919 bezogen erstmals 1400 Kinder das Areal von Schloss Schönbrunn, um hier Ferien zu erleben. Gleichzeitig begann man im Herbst 1919 mit einer neuen Erzieherschule, die stark von Inhalten der Reformpädagogik, wie auch durch sozialistische Erziehungsideale geprägt war. In den 84 Räumen, die der Schönbrunner Schule zugestanden wurden, gab es sowohl Unterricht, wie auch praxisnahe Kinderbetreuung. Die ersten 28 zukünftigen Pädagoginnen und Pädagogen, die mit Oktober 1919 die Schulbank zu drücken begannen, hatten prominente Vortragende: Alfred Adler lehrte Psychologie, Josef Luitpold Stern das Fach Literatur, Jenny Adler Gesundheitslehre, "Rote Falken"-Gründer Anton Tesarek das Fach Pädagogik. Inhaltlich, so die Einschätzung von Heinz Weiss, langjähriger ehemaliger Vorsitzender der Wiener Kinderfreunde, hatte die Schönbrunner Schule unter der prägenden Leitung von Otto F. Kanitz eine tiefgreifende revolutionäre Bedeutung für die Pädagogik des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stand das Streben nach dem "Neuen Menschen". Verbunden mit dem Glauben, dass dieser primär über Bildung zu verwirklichen sei, entwickelte die Schönbrunner Schule über die Jahre ein breites Spektrum pädagogischer Modelle. Besonders wichtig war dabei das Ernstnehmen des einzelnen Kindes. So hatten die Kinder Mitspracherecht bei diversen Entscheidungen, die sie betrafen. Die Schönbrunner Schule, an deren Wirkung vor zwei Jahren eine Ausstellung im Staatsarchiv erinnerte, bestand bis zum Jahr 1924. Aufgrund finanzieller Engpässe musste der Schulort aufgegeben werden. Wesentliche Bedeutung erhielten in Folge diverse Wiener Horte, wo Erzieherinnen und Erzieher die Ideale der Schönbrunner Schule weiter entwickelten und vorlebten. Darunter befand sich etwa der Tageshort der Kinderfreunde in der Engerthstrasse in der Brigittenau, auch die Idee der Arbeiterkinderheime - das erste entstand im dritten Bezirk, geleitet wurde es von der Schönbrunner-Absolventin Hilde Zechmeister - basierte im wesentlichen auf den erzieherischen Idealen, die bald nach Ende des Ersten Weltkrieges in der habsburgischen Sommerresidenz ihren Ursprung nahmen. (Schluss) hch

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