Tourismus-Arbeitsmarkt: Kaske erteilt Absage an weitere Öffnung

"Wäre Arbeitskräfteverdrängungsprogramm" - Lehrlinge besser ausbilden

Wien (vida/ÖGB) - Nach Rekordumsätzen in den vergangenen Monaten blickt die Tourismusbranche aufgrund der weltweiten Finanzkrise einer durchwachsenen Zukunft entgegen. "In diesen Zeiten den Tourismus-Arbeitsmarkt weiter zu öffnen, das wäre ein Arbeitskräfteverdrängungsprogramm", erteilt Kaske dem Wunsch der Arbeitgeberseite nach einer völligen Öffnung der Branche für ArbeitnehmerInnen aus den neuen EU-Staaten eine Absage. Gemeinsames Ziel müsse vielmehr sein, dafür zu sorgen, dass alle in- und ausländischen ArbeitnehmerInnen, die bereits am heimischen Arbeitsmarkt tätig seien, auch künftig einen Arbeitsplatz hätten, sagte Kaske heute im Rahmen einer Pressekonferenz. ++++

Anstatt laufend nach neuen, billigen Arbeitskräften zu rufen, müsse die Branche danach trachten, für bessere Arbeits- und Einkommensbedingungen zu sorgen, um die bestehenden Arbeitskräfte zu halten. Laut den Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger waren die ArbeitnehmerInnen im Hotel- und Gastgewerbe auch 2007 im Durchschnitt nur 205 Tage im Jahr beschäftigt. Jede/r zweite Beschäftigte verdiente pro Monat -einschließlich Sonderzahlungen - weniger als 1.449 Euro brutto (Männer: 1.620, Frauen: 1.350). "Angesichts dieser Daten ist es kein Wunder, dass die Branche für viele nur beschränkt als attraktiv gilt. Die Wirtschaft muss gemeinsam mit uns für Verbesserungen sorgen", verlangt Kaske. Als erster Schritt wird mit Jahresanfang die von den Sozialpartnern ausgearbeitete Qualifizierungswoche unmittelbar vor Saisonbeginn verwirklicht. Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Karrierechancen und Verlängerung der Sozialversicherungszeiten der Beschäftigten müssten folgen, so Kaske.

Ältere Beschäftigte als große Ausnahme

"Außer in einigen Traditionskaffeehäusern und alteingesessenen Hotels sieht man in unserer Branche kaum ältere ArbeitnehmerInnen," kritisiert Rudolf Komaromy, Vorsitzender der vida-Bundesfachgruppe Tourismus und Betriebsratsvorsitzender des Hotels InterContinental. Aufgrund der geringen Bereitschaft der Arbeitgeber alternsgerechte Arbeitsplätze zu schaffen, sei es schwer, ältere Arbeitskräfte in der Branche zu halten bzw. zu einem Wiedereinstieg zu bewegen.

Tag der Lehre nutzen, um auf Rechte der Lehrlinge aufmerksam zu machen

Alarmierend ist für die Gewerkschaft die Situation vieler Lehrlinge. Laut einer Umfrage der vida-Jugend, an der mehr als 2.500 Lehrlinge aus dem Hotel- und Gastgewerbe teilnahmen, müssen 75 Prozent der Lehrlinge unter 18 jeden Monat Überstunden leisten, obwohl das gesetzlich nicht zulässig ist. Auch die Einhaltung der Abend- und Nachtruhe wird häufig missachtet. "Morgen ist der Tage der Lehre. Wir fordern die Betriebe auf, ihre Verpflichtung als Ausbildner ernst zu nehmen.
Lehrlinge auszunutzen anstatt auszubilden ist kein Kavaliersdelikt", sagt vida-Bundesfachgruppensekretär Robert Maggale. Abgelehnt wird von vida die Forderung von Arbeitgeberseite, bei der Lehrausbildung eine noch größere Spezialisierung anzubieten. vida fordert stattdessen eine Intensivierung der Fremdsprachenausbildung sowie eine Verstärkung der Ausbildung in den Bereichen Rhetorik und Marketing.

NichtraucherInnenschutz - heftige Kritik an mangelnder Kontrolle

Nicht zufrieden ist die Gewerkschaft mit der Kontrolle der Schutzbestimmungen, die für ArbeitnehmerInnen in Raucherlokalen ab 2009 gelten. Jugendliche müssen laut den neuen Bestimmungen, die vida erreicht hat, überwiegend im Nichtraucherbereich ausgebildet werden; für werdende Mütter gilt ein Beschäftigungsverbot in Raucherlokalen, verbunden mit dem Anspruch auf Wochengeld ab Freistellung. Kurz vor Inkrafttreten der Schutzvorschriften bezeichnet sich das Arbeitsinspektorat aber als "nicht zuständig" für die Kontrolle dieser "allgemeinen Gesundheitsvorschrift". "Selbst der typisch österreichische Kompromiss, auf den man sich in Sachen NichtraucherInnenschutz geeinigt hat, könnte sich dadurch in Rauch auflösen", kritisiert Kaske. Er fordert die künftige Bundesregierung zur Sicherstellung des ArbeitnehmerInnenschutzes für die Beschäftigten in der Gastronomie auf.

ÖGB, 15. Oktober 2008 Nr. 569

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