"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Abschied vom Rebell" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 13.10.2008

Wien (OTS) - Ein Jörg Haider als Politpensionist, im Lehnstuhl auf der Terrasse seines Anwesens im Kärntner Bärental sitzend und vor sich hingrummelnd? Unvorstellbar.
Für den Vollblutpolitiker waren Öffentlichkeit und Medien sein Lebenselixier. Das war seine Stärke, und zugleich auch seine größte Schwäche. In seiner Sucht nach Aufmerksamkeit und Selbstbestätigung hat er nicht selten die Grenze zur Selbstbeschädigung überschritten. Man denke nur an seinen Besuch bei Saddam Hussein im Irak: Sechs Jahre ist das erst her und ebenso fast in Vergessenheit geraten wie seine verbalen Ausritte gegen Höchstrichter, gegen in- und ausländische Politiker und gegen Asylanten.
Haider hat es stets verstanden, durch immer neue Facetten seines politischen Auftretens zu überraschen, zu provozieren und zu faszinieren. Ohne ihn sähe die politische Landschaft Österreichs heute anders aus. Er hat viel bewegt und verkrustete Strukturen aufgebrochen. Vor allem aber hat er niemanden kalt gelassen. Das erklärt die ungeheuren Emotionen, die sein Unfalltod weit über Kärnten hinaus ausgelöst hat.
Hätte Haider es sich aussuchen können, würde er sich wahrscheinlich für diesen oder einen ähnlichen Weg entschieden haben, die Welt zu verlassen: Auf spektakuläre Weise, nach dem Wahlsieg auf einem neuen Höhepunkt seines politischen Lebens, aber ohne große Aussicht auf weitere Steigerungsmöglichkeiten.

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