Benedikt XVI. proklamierte erste Schweizer Heilige der Neuzeit

Die Gründerin der "Franziskaner-Missionsschwestern von Maria Hilf", Maria Bernarda Bütler, hat auch für die Kirche in Österreich große Bedeutung

Vatikanstadt, 12.10.08 (KAP) Die Schweizer Ordensfrau Maria Bernarda Bütler (1848-1924) wurde am Sonntag von Papst Benedikt XVI. heilig gesprochen. Die Gründerin der "Franziskaner-Missionsschwestern von Maria Hilf" hat auch für die Kirche in Österreich große Bedeutung, weil sich die Zentrale der europäischen Provinz des Ordens im Kloster Maria Ebene im vorarlbergischen Frastanz befindet. Maria Bernarda Bütler ist die erste neuzeitliche Heilige aus der Schweiz (aus römischer Zeit sind mehrere Märtyrerinnen aus dem heutigen Gebiet der Schweiz überliefert).

Benedikt XVI. würdigte die aus Auw im Kanton Aargau stammende Ordensgründerin für die Treue und Freude ihrer Glaubensverkündigung. Von Jugend an sei die unter dem Taufnamen Verena aufgewachsene Bauerntochter von einer tiefen Liebe zu Christus geprägt gewesen.

Beim Heiligsprechungsgottesdienst war die kolumbianische Ärztin Mirna Jazmine Correa anwesend, die 2002 im Alter von 29 Jahren eine schwere Lungenentzündung erlitt und auf Anrufung der Fürsprache Maria Bernarda Bütlers auf medizinisch unerklärliche Weise geheilt wurde. Die von der vatikanischen Glaubenskongregation anerkannte wunderbare Heilung machte die Heiligsprechung der Ordensgründerin möglich, die im kolumbianischen Cartagena begraben und in dem südamerikanischen Land überaus populär ist.

Gemeinsam mit einem Angehörigen der Familie Bütler und der Generaloberin des Ordens, Sr. Marines Burin, trug Mirna Correa unmittelbar nach der feierlichen Proklamation der neuen Heiligen die Reliquien der Ordensgründerin zum Altar. An dem Heiligsprechungsgottesdienst auf dem Petersplatz nahmen zehntausende Gläubige teil. Aus Österreich und der Schweiz waren hunderte Pilger angereist.

Verena Bütler (1848-1924) war als viertes von acht Kindern in einer Bauernfamilie aufgewachsen. 1867 trat sie mit 19 Jahren in das Kapuzinerinnenkloster Maria Hilf in Altstätten ein und nahm den Ordensnamen Maria Bernarda an. 1880 wurde sie zur Oberin gewählt. Infolge des Kulturkampfes im strengliberalen Aargau war die Schwesternzahl des Klosters begrenzt, es gab mehr Anwärterinnen als das Kloster aufnehmen durfte. So entschloss sich Maria Bernarda auf Bitten des damaligen Bischofs von Portoviejo, Peter Schumacher, 1888 gemeinsam mit sechs anderen Ordensschwestern zur Auswanderung nach Ecuador. Dort gründete sie eine eigene Kongregation, die "Franziskaner-Missionsschwestern von Maria Hilf". Nach der Machtergreifung der antiklerikalen ecuadorianischen Radikalliberalen unter Präsident Jose Eloy Alfaro Delgado im Jahr 1895 musste Maria Bernarda Bütler mit ihren Mitschwestern ins benachbarte Kolumbien flüchten.

Im Brennpunkt ihrer Aktivitäten standen der soziale Einsatz für Arme und die Förderung der Schulbildung, aber auch Alten- und Krankenpflege, die Behindertenfürsorge und Erwachsenenbildung. Maria Bernarda Bütler starb am 19. Mai 1924 in Cartagena.

Die von ihr begründete Ordensgemeinschaft zählt heute 842 Schwestern. Die stärksten Provinzen sind Kolumbien mit 350 und Brasilien mit 320 Ordensfrauen. Hauptsächlich sind sie in Schulen, Seelsorge, Mission und im sozialen Bereich tätig. Die Ordenszentrale befindet sich in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. (forts)
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