"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Raffgier hat ausgedient" (Von FRANK STAUD)

Ausgabe vom 11. Oktober 2008

Innsbruck (OTS) - Nach dem Kursgemetzel in Wien und an den Börsen weltweit braucht es positive Impulse.

Niemand kann und darf annehmen, von den negativen Folgen der weltweiten Finanzkrise nicht betroffen zu sein. Vor allem jene Kreditnehmer, die schon bisher nur knapp ihre Zinsen und Raten abstottern konnten bzw. bei den Sicherheiten schwach aufgestellt sind, müssen bangen.

Das trifft natürlich auch die heimische Wirtschaft. Wer eigenkapitalschwach ist, wie beispielsweise viele Touristiker, Handwerker und Gewerbetreibende, muss sich auf schwere Zeiten einstellen. Denn Kredite werden teurer und künftig wohl nur noch dann vergeben, wenn die Banken das Risiko überschaubar gestalten können. Die Finanzinstitute haben selbst nur noch wenig Spielraum.

Das alles wird die Konsum- und Investitionsfreude nicht gerade fördern. Eine gefährliche Spirale nach unten, die nur durch positive Impulse gestoppt werden kann. In Österreich muss die kommende Regierung schnellstmöglich durch Steuerentlastungen vor allem dem Mittelstand mehr finanziellen Spielraum geben. Baumaßnahmen durch die öffentliche Hand können die Konjunktur ebenfalls ankurbeln, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Noch ist die Tragweite des Börsengemetzels nicht absehbar. Wenn Staaten und Notenbanken milliardenteure Rettungspakete verabschieden, wird schnell klar, wie einsturzgefährdet das Weltwirtschaftssystem aktuell ist. Ob es richtig ist, mit Steuergeldern selbst jene zu sanieren, die in Monopoly-Manier gewirtschaftet haben, ist mehr als fraglich.

Dass selbst "das Land der unbegrenzten Möglichkeiten", wo der Kapitalismus eine Art Staatsreligion ist, auf kommunistische Methoden setzt, ist unfassbar. Reihenweise werden in den USA Banken verstaatlicht. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler spricht von einer "hemmungslosen Gier" der Finanzmanager. Dass jene, die mit hochspekulativen Geschäften für die drohende Rezession verantwortlich sind, auch noch mit unglaublichen Gagen verabschiedet werden, setzt dem Ganzen die Krone auf. Verantwortungsbewusstsein und Moral werden die Raffgier ersetzen. Diese Krise wird einen Selbstreinigungsprozess zur Folge haben.

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