"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie wir alle nun Trottel oder Kriminelle finanzieren müssen" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 11.10.2008

Graz (OTS) - If you can't stand the heat, stay out of the
kitchen", lautet ein lapidarer Satz aus der amerikanischen Wirtschaft: "Wenn du die Hitze nicht aushältst, bleib aus der Küche draußen". - Dieser Satz sei hier vorab all jenen ins Stammbuch geschrieben, die die Börse für einen willigen Goldesel hielten. No risk, no fun.

Bleibt der überwiegende Rest der Menschheit. Leute, die für Geld tatsächlich arbeiten, die einen Teil dieses Geldes Banken und Versicherungen anvertrauen, auf dass sein Wert, wenn schon nicht steige, dann wenigstens erhalten bleibe. Und die zuvor Steuern gezahlt haben, um der Allgemeinheit in guten und in schlechten Zeiten ein menschenwürdiges Auskommen zu garantieren. Darauf fußt eine zivilisierte ökonomische Wertegemeinschaft.

Das Unheil begann, als man statt mit Arbeit oder Ware auch mit Geld selbst zu handeln begann. Genauer gesagt, zu jonglieren und zocken.

Als einer der jüngeren Urväter gilt dabei der gebürtige Budapester George Soros, der 1992 durch gezielte Transaktionen das britische Pfund ins Wanken brachte. Er zog öffentlich seine Schlüsse daraus. Es dürfe doch nicht sein, so Soros in einem Interview, dass ein kleiner Ungar die Währung des britischen Empire niederspekulieren könne. Wiederholt forderte er politische Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich dann die Wirtschaft frei bewegen könne.

Die Bedingungen wurden indes lockerer, die Finanzwirtschaft zum Tollhaus. Die Managergagen stiegen obszön, die Verluste astronomisch. Vor den jetzt täglich kolportierten Summen nehmen sich die Bawag-Spezis wie Hühnerdiebe aus.

Die wahnwitzigen Entgelte für Manager wurden stets mit deren angeblichen Fähigkeiten bzw. der hohen Verantwortung argumentiert. Alles nicht wahr: So spendierte Richard Fuld, Chef der Investmentbank Lehman Brothers, noch vier Tage vor deren Zusammenbruch drei Spitzenmanagern 20 Millionen Dollar Prämie. Er selbst hatte in den letzten sieben Jahren 310 Millionen kassiert.

Entweder sind das alles Trottel oder Kriminelle. Das Ergebnis bleibt dasselbe, die viel zitierte Verantwortung müssen nicht sie, sondern die Staaten, also wir alle, übernehmen. Von Jobstreichungen, Konjunkturlöchern etc. ganz abgesehen.

Es mag keine relevanten Summen ergeben, aber Leute wie Fuld sollten bis auf den letzten Cent gepfändet werden, sie können von Glück reden, dass öffentliches Auspeitschen aus der Mode gekommen ist. Und die Regierungen müssen endlich wieder jene Kontrolle ausüben, derentwegen sie gewählt werden.****

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