Aktionspläne im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung Prammer erhält Auszeichnung für ihr langjähriges Engagement

Wien (PK) - Anlässlich einer gerade in Wien stattfindenden Konferenz, bei der es um die Entwicklung von nationalen Aktionsplänen im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM - female genital mutilation) ging, lud Nationalratspräsidentin Barbara Prammer FGM-Koordinatorinnen aus den EU-Ländern heute Abend zu einem Treffen ins österreichische Parlament ein. In Anerkennung ihres langjährigen Engagements und ihrer aktiven Unterstützung aller Aktivitäten in diesem Bereich wurde Prammer von Khady Koita, der Präsidentin des EURONET-FGM-Netzwerkes, eine Medaille überreicht.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer erinnerte daran, dass sie vor etwa zehn Jahren auf dieses Thema aufmerksam gemacht wurde und in der Folge eine Studie in Auftrag gegeben hat. Die Ergebnisse waren erschütternd und haben gezeigt, dass junge Mädchen und Frauen nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa noch immer unter dieser grausamen Form der Misshandlung leiden müssten. Seit diesem Zeitpunkt sei aber viel geschehen, wobei sich in Österreich vor allem die Afrikanische Frauenorganisation unermüdlich dieser Problematik angenommen habe, hob sie hervor. Wichtig war unter anderem die gesetzliche Klarstellung, dass es ein freiwilliges Einverständnis zu dieser Maßnahme nicht geben könne. Weitere Schritte müssen jedoch noch getan werden, um etwa in Europa eine stringente Position in dieser Frage zu erreichen, unterstrich die Nationalratspräsidentin. Prammer, die auch "Goodwillbotschafterin" des Inter-Afrikanischen Komitees (IAC) bei der EU und Vorsitzende des Komitees für den Nationalen Aktionsplan in Österreich ist, versprach schließlich, auf allen politischen Ebenen als Lobbyistin tätig zu sein und sich dafür einzusetzen, dass der nationale Aktionsplan umgesetzt wird.

Die Vertreterin der Afrikanischen Frauenorganisation, Etenesh Hadi, wies darauf hin, dass die Thematik der weiblichen Genitalverstümmelung erstmals im Rahmen der Buchpräsentation "Schmerzenskinder" von Waris Dirie öffentlich in Österreich angesprochen wurde. Seit diesem Zeitpunkt habe ihre Organisation diese Problematik in vielfältiger Weise behandelt und zahlreiche Aktivitäten gesetzt, die immer von Barbara Prammer unterstützt wurden. Mittlerweile gebe es auch eine Förderung von Seiten der EU und im Rahmen des EU-Daphne-Projekts konnte ein Lehrkoffer erstellt sowie Trainings für Lehrer in Österreich, Schweden und Holland durchgeführt werden, berichte Etenesh Hadi. Vieles müsse jedoch noch getan werden, denn nur Aufklärung, Information und Kommunikation können zur Wandlung von Normen und Verhalten führen.

Universitätsprofessorin Tobe Levin, die FGM-Koordinatorin für Deutschland im EU-Daphne-Projekt ist, illustrierte anhand von dramatischen Einzelfällen, welches unfassbare psychische und physische Leid junge Mädchen und Frauen, und das sogar mitten in Europa, durch derartige Eingriffe erleiden müssten. EURONET-FMG habe deshalb das Ziel, in 15 europäischen Ländern nationale Aktionspläne gegen die genitale Verstümmelung zu erarbeiten und entsprechende juristische Maßnahmen vorzuschlagen, die einen ausreichenden Schutz für die betroffenen Mädchen bieten können.

Christa Pölzlbauer, die Vizepräsidentin des österreichischen Komitees für den nationalen Aktionsplan, berichtete schließlich über den Stand der Aktivitäten in Österreich und wünschte den Mitgliedern des EURONET-FGM-Netzwerks viel Erfolg im Kampf gegen FGM in Europa.

Im Anschluss an die Vorträge wurde noch ein von Alexis Neuberg produzierter Film mit dem Titel "International Participation in the fight against FGM" präsentiert.

Die Afrikanische Frauenorganisation ist Mitglied des EUROPEAN Anti-FGM-Netzwerks und veranstaltete eine zweitägige Konferenz als Partnerorganisation im EU-Daphne-Projekt "Developing National Plans of Action to Prevent and Eliminate FGM in the European Union" in Wien. (Schluss).

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