BM Schmied: "Die teilstandardisierte, kompetenzorientierte AHS-Reifeprüfung bringt bessere Qualität und mehr Fairness in der Beurteilung"

Wien (OTS) - Heute fand ein Treffen zwischen Bildungsministerin
Dr. Claudia Schmied und Vertretern der Lehrergewerkschaft zur geplanten teilzentralen AHS-Reifeprüfung statt. Im Rahmen dieses Gesprächs betonte die Ministerin die Vorteile der neuen Reifeprüfung - die letztlich für alle Schulen geplant ist - und unterstrich ihr Bemühen, diesen wichtigen Schritt für mehr Qualität an den Schulen und mehr Fairness in der Beurteilung, wie mit dem Regierungspartner vereinbart, zu fixieren. Die Ministerin betonte weiters, dass sie diese wichtige Neuerung intensiv mit den Betroffenen und Beteiligten diskutieren möchte, da es sich bei der Umstellung auf die Teilzentralisierung um einen Paradigmenwechsel in der Prüfungskultur an unseren Schulen handelt. Bereits in den vergangenen Monaten haben zahlreiche Informationsworkshops und Diskussionen stattgefunden. Heute wurden weitere Gespräche mit den Vertretern der Lehrergewerkschaft vereinbart.

"Bisher ist die Reifeprüfung in der Qualität und den Anforderungen von Schulstandort zu Schulstandort verschieden. Durch die Teilstandardisierung soll die Matura österreichweit vergleichbar werden. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das bessere Qualität und mehr Fairness bei der Matura. Die neue AHS-Reifeprüfung ist die konsequente Fortführung der Bildungsstandards. Entscheidend ist auch hier die positive Mitwirkung und Motivation der Lehrerinnen und Lehrer", so Bildungsministerin Claudia Schmied.

Wie soll die neue Reifeprüfung aussehen?
Die neue AHS-Reifeprüfung soll aus drei (von einander unabhängigen) Säulen bestehen und modular aufgebaut sein:

1. "Vorwissenschaftliche Arbeit" für alle Schüler
2. 3 bzw. 4 schriftliche Klausuren (zentral vorgegeben) in Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache. Bei 4 Klausuren kann zu den drei verpflichtenden Fächern zusätzlich in einer weiteren Fremdsprache, Chemie, Biologie und Umweltkunde, Physik, Musikkunde oder Sportkunde angetreten werden.
3. 3 bzw. 2 mündliche Prüfungen

Der Fokus der Standardisierung soll eher im schriftlichen Bereich liegen, weil dadurch mehr Objektivität in der Beurteilung erzielt werden und die Schülerleistung konkreter beschrieben werden kann. Die Qualität in der Beantwortung und die Aussagekraft bei den mündlichen Prüfungen werden dadurch erhöht, dass die Schüler bei zumindest einer mündlichen Prüfung die Themenstellung und mögliche Lösungsansätze im Rahmen einer Präsentation vorstellen und ihre Fachkompetenz in einem Prüfungsgespräch mit zwei Fachprüfern unter Beweis stellen. Alle Details dazu werden mit den Betroffenen erarbeitet.

Nachhaltig abgesicherte Kompetenzen und abgesichertes Wissen werden durch die Standardisierung auch für abnehmende Organisationen (künftige Arbeitgeber oder weiterführende Hochschulen) vergleichbar. Bereits im abgelaufenen Schuljahr wurden im Rahmen eines Schulversuchs an 60 Schulen standardisierte schriftliche Klausuren mit großem Erfolg abgehalten.
Die Themen für die vorwissenschaftliche Arbeit und die mündlichen Prüfungen sollen weiterhin von den Lehrern am Standort gestellt werden, um den an den Schulen ausgeprägten Schwerpunkten, der Schulautonomie und individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler Rechnung zu tragen. Auch hier werden die Details mit den Vertretern der Gewerkschaft in den nächsten Tagen besprochen.

"Es ist mein erklärtes Ziel, dieses für die Schulentwicklung so wichtige Qualitätssicherungsprojekt in die nächste Etappe zu bringen. Die Begutachtung der Novelle zum Schulunterrichtsgesetz ist abgeschlossen. Die Einbringung in den Ministerrat als Regierungsvorlage ist für November geplant. Ich hoffe sehr, dass es gemeinsam mit der Gewerkschaft gelingt, dieses Projekt positiv motiviert umzusetzen. Die ersten neuen AHS-Reifeprüfungen könnten im Schuljahr 2013/14 Wirklichkeit werden. Damit gelingt ein Anschließen an internationale Entwicklungen", betonte Schmied abschließend.

Details:

Wer soll von der neuen AHS-Reifeprüfung profitieren?

Schüler:
-) Vergleichbarkeit und Transparenz der Abschlüsse ist gegeben.

-) "Abnehmer" (tertiärer Bereich und die Wirtschaft) wissen, welche Kompetenzen die jeweiligen Absolventen haben, die ihnen im Zeugnis ausgewiesen werden.

-) Vereinfachung der Reifeprüfungsbestimmungen.

-) Motivationssteigerung bei den Schüler/innen und Verbesserung der Arbeitshaltung, weil objektiver und vergleichbarer.

-) Keine Wartezeiten und "Bremsen" bei negativen Prüfungen:
Wiederholungsmöglichkeit von schriftlichen Klausuren vor und nach der mündlichen Prüfung. Auch bei mehreren negativen Klausuren kann man zur mündlichen Prüfung antreten (Modularer Aufbau der neuen Reifeprüfung).

-) Mehr Wahlmöglichkeiten sowohl bei der Auswahl der Themen und der Prüfer der "vorwissenschaftlichen Arbeit" als auch im mündlichen Bereich.

-) Einbeziehung der schulautonomen Schwerpunkte ist gewährleistet.

-) Präsentation in einem Prüfungsgebiet wird endlich ermöglicht.

-) Neugestaltung der Reifeprüfungs-Zeugnisse, die sowohl die erlangten Kompetenzen in einem bestimmten Prüfungsgebiet als auch den Grad der Erlangung transparent machen (inklusive Stundentafeln).

Lehrer:
-) Ein neues Rollenverständnis wird gefördert. Der Lehrer wird noch mehr zum Kompetenzvermittler.

-) Zeitersparnis durch den Wegfall der Vorbereitung für die Spezialgebiete.

-) Zeitersparnis durch den Wegfall der Vorbereitung der Aufgabenstellungen für die Klausuren.

-) Vereinfachung der Reifeprüfungsbestimmungen.

-) Rasche und transparente Beurteilung der Klausurarbeiten durch vorbereitete Rating-scales.

-) Positive Auswirkungen auf den Unterricht (Verbesserung der Arbeitshaltung und Erhöhung der Motivation der Schüler).

-) Gemeinsame Entwicklung und Festlegung der Themenbereiche für jedes Prüfungsgebiet am jeweiligen Schulstandort erspart jeder einzelnen Lehrkraft viel Arbeit und Zeit. Dennoch kann jede Lehrkraft zu einem bestimmten Prozentsatz individuell Themen für den Themenpool erstellen.

-) Jede Lehrkraft erstellt weiterhin individuell ihre Prüfungsfragen.

-) "Fachbezogene" Kommissionen - "Vier-Augen/Ohren-Prinzip": Bei jeder Prüfung gibt es zwei Fachprüfer, die zu einem gemeinsamen Kalkül kommen - fachfremde Lehrkräfte haben kein Stimmrecht.

-) Vorwissenschaftliche Arbeit: Maximal fünf zu betreuende Schüler.

-) Bereitstellung von Software zur "Plagiaterkennung".

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Nikolaus Pelinka
Tel.: (++43-1) 53 120-5030, 5031

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