Klarstellung: Kein UNHCR-Persilschein für Asylquartier Saualm

Isolierte Lage problematisch, Kriminalisierung von Unbescholtenen scharf kritisiert

Griffen/Wien (UNHCR) - Entgegen anders lautender Vereinnahmungsversuche durch eine politische Partei gibt es vom UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR keinerlei Persilschein für das Kärntner Asylquartier Saualm (Griffen). Dies stellte die Weltflüchtlingsorganisation heute klar.

UNHCR hält dazu fünf Punkte fest:
1. UNHCR weist die Kriminalisierung von Asylwerbern in diesem Zusammenhang und darüber hinaus auf das Schärfste zurück. "Für Asylwerber", sagt UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer, "gilt die volle Härte des Strafrechts. Und das ist gut so. Aber solange jemand nicht verurteilt ist, gilt für ihn genauso die Unschuldsvermutung wie für jeden anderen. Wären die Asylwerber auf der Saualm Kriminelle, wie behauptet, säßen sie ja im Gefängnis. Ich warne Politiker ausdrücklich vor der Verbreitung besorgniserregender Gerüchte."
2. Der Lokalaugenschein hat ergeben, dass die Zimmer in Ordnung waren.
3. Bei der Überprüfung durch UNHCR am 8. Oktober waren die Asylwerber - entgegen ersten Berichten - nicht widerrechtlich eingesperrt, sondern konnten sich frei bewegen.
4. Das Quartier liegt sehr isoliert auf 1200 Meter Seehöhe und hat nicht "Vorbildcharakter" (wie behauptet). Diese Lage, 13 Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt, macht das Mitwirken an Asylverfahren, die sozialen Kontakte, aber auch Sport oder Deutschkurse sehr schwierig, von medizinischen Notfällen ganz abgesehen. Daher sind entsprechende Transportmöglichkeiten nötig. 5. Zudem bedarf es ausreichender Betreuung und mehr Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort, vor allem, wenn das Quartier auch in der kalten Jahreszeit betrieben werden soll. Wenn die Asylwerber über Monate nur zwischen Tischtennis und Tischfußball wählen können, wird ihnen die Decke auf den Kopf fallen.

UNHCR zeigt sich abschließend und über die Causa Saualm hinaus besorgt über die Folgen der Kriminalisierung einzelner unbescholtener Asylwerber für die Integration der anerkannten Flüchtlinge und erinnert daran, dass die Anerkennungsrate im Asylverfahren bei rund 40 Prozent liegt. "Wer Angst vor Asylsuchenden sät, wird Integrationsprobleme mit anerkannten Flüchtlingen ernten", weiß Schönbauer.

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