Diskriminierung erkennen - Diskriminierung bekämpfen AK kämpft für Gleichstellung von Frauen im Berufsleben

Linz (OTS) - Um die Diskriminierung von Frauen im Berufsleben erfolgreich bekämpfen zu können, müssen die Betroffenen sie erst als solche erkennen. Unter dem Titel "Diskriminierung erkennen -Diskriminierung bekämpfen" hat die Arbeiterkammer exemplarische Fälle aus der AK-Gleichbehandlungsberatung in einer Broschüre zusammengefasst. "Wir möchten das Bewusstsein für Diskriminierungen schärfen", sagte AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer heute bei der Präsentation.

Von Jänner bis Ende Juli 2008 wurden in der Gleichbehandlungsberatung der Arbeiterkammer Oberösterreich 606 Beratungen durchgeführt, das sind mehr als doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Rund die Hälfte der Fälle betraf sexuelle Belästigung, der Rest zu etwa gleichen Teilen Diskriminierungen bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses und beim Entgelt.

Dass Frauen für gleiche oder gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer, wird häufig damit begründet, dass Frauen bei der Frage nach ihren Gehaltsvorstellungen falsche Bescheidenheit zeigen. Die AK weist in diesem Zusammenhang auf eine wenig bekannte Entscheidung des Obersten Gerichtshofs hin, die besagt:
Arbeitgeber/-innen sind dazu verpflichtet, eine ungleiche Entlohnung bei gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit zu beseitigen - auch wenn die schlechter bezahlte Frau bei der Einstellung gar nicht mehr verlangt hat.

Der Anlassfall für die Entscheidung: Eine Grafikerin und ein Grafiker werden gleichzeitig bei einer Firma aufgenommen. Beide bekommen genau das, was sie verlangt haben: der Mann rund 1450 Euro brutto im Monat, die Frau nur rund 920 Euro - und das bei gleicher Tätigkeit und sogar höherer Qualifikation der Frau. Als die Frau diesen eklatanten Unterschied bemerkt, verlangt sie vom Arbeitgeber die gleiche Bezahlung wie der Mann, und als dieser verweigert, klagt sie wegen Ungleichbehandlung.

Die Frau bekam in letzter Instanz Recht: Den Einwand der Gegenseite, die Klägerin habe nicht mehr verlangt und sei also wunschgemäß entlohnt worden, ließen die Richter nicht gelten. In der Urteilsbegründung heißt es wörtlich: "Da es primär und in der Regel der Arbeitgeber ist, der die Leistungen seiner Arbeitnehmer beurteilen kann und die Höhe der jeweiligen Entlohnungen kennt, wäre die beklagte Partei verpflichtet gewesen, die ungleiche Entlohnung zu beseitigen."

Für AK-Präsident Kalliauer ein wichtiges Signal: "Nicht die Frauen müssen sich ändern, sondern die Arbeitgeber." Dass die Sensibilität für Diskriminierungen steige, zeige alleine schon die zunehmende Inanspruchnahme der AK-Gleichbehandlungsberatung. Trotz vieler kleiner Erfolge sei aber noch viel zu tun: "Eine zentrale Forderung der Arbeiterkammer ist nach wie vor die Koppelung von Förderungen und öffentlichen Aufträgen an erfolgreiche betriebliche Frauenförderung."

Wichtig wäre auch ein Verbandsklagerecht bei systematischen Diskriminierungen. Wenn in einem Betrieb Frauen schlechter bezahlt werden als Männer, muss nach derzeitigem Stand jede einzelne Frau klagen. Eine Klagsmöglichkeit für die betriebliche oder überbetriebliche Interessenvertretung könnte hier die Rechtsdurchsetzung erleichtern.

Die Broschüre "Diskriminierung erkennen - Diskriminierung bekämpfen" gibt’s im Frauenbüro der Arbeiterkammer Oberösterreich, Tel. 050/6906-2142 oder auf www.arbeiterkammer.com zum Herunterladen.

Kontakt: Martina Macher, Tel. 050/6906-2190
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