Europa: Kirche in Sorge über soziale Konsequenzen der Finanzkrise

Bischöfe in der Europäischen Union treten für eine "Ordnungspolitik auf Weltebene auch für die Finanzmärkte" ein

Brüssel-Paris, 10.10.08 (KAP) Angesichts der Finanzkrise treten die Bischöfe in der Europäischen Union für eine "Ordnungspolitik auf Weltebene auch für die Finanzmärkte" ein. Dies geht aus dem Abschlußkomunique des Jahrestreffens des Sozialausschusses der "Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes" (ComECE) hervor, der am 8./9. Oktober in Paris getagt hat. Die Diskussion der Bischöfe über "die Zukunft von sozialer Sicherheit und Sozialpolitik in Europa" war von der Krise der Finanzmärkte und ihren Konsequenzen für die europäische Sozialpolitik geprägt.

Die Regierungen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union müssten jetzt alles tun, um die Vertrauenskrise zu beheben, die gegenwärtig die Finanzmärkte erschüttert. Aber zugleich müsse die neue Ordnungspolitik in diesem Bereich angegangen werden. Wörtlich sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, der Vorsitzender des ComECE-Sozialausschusses ist: "Nur so können mehr Gerechtigkeit, Transparenz und Verantwortlichkeit geschaffen werden. Das muss jetzt ins Werk gesetzt werden. Es ist dann weiter wichtig, dass die Regierungen und die europäischen Institutionen sich für das Schicksal jener Menschen interessieren, die häufig ohne eigenes Verschulden die sozialen Konsequenzen der Finanzkrise zu tragen haben werden. Gerade jetzt muss die Tragfähigkeit des europäischen Sozialmodells unter Beweis gestellt werden, damit aus der Finanzkrise keine politische und soziale Krise wird".

Die griechische Europaabgeordnete Marie Panayotopoulos-Cassiotou präsentierte vor den Bischöfen die derzeitige Situation der sozialen Sicherungssysteme in der EU. Sie wies insbesondere auf die "soziale Agenda" und das Familienpaket der EU-Kommission zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben hin. Zugleich bedauerte sie, dass die "soziale Agenda" nicht auf der Höhe der aktuellen Herausforderungen für Europa - demografischer Niedergang und Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben - ist.

Nicolaus G. van der Pas, Generaldirektor für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit in der EU-Kommission, stellte die neue Sozialagenda aus politischer Perspektive dar. Die soziale Dimension sei für die EU wichtig, um die Zurückhaltung vieler Bürger gegenüber dem europäischen Einigungswerk zu überwinden.

Bei der Tagung des Sozialausschusses wurde über neue Wege nachgedacht, um die Soziallehre der Kirche in Europa zu verbreiten. Der Warschauer Weihbischof Piotr Jarecki stellte das Vorhaben einer ersten Europäischen Sozialkonferenz vor, die im Oktober 2009 in Danzig (Gdansk) stattfinden wird. (ende)
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