Neues Volksblatt: "Ausgeblendet" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 6. Oktober 2008

Linz (OTS) - Alfred Gusenbauer war wieder da. Nachdem ihn seine Partei seit der Inthronisierung von Werner Faymann einen ganzen Wahlkampf lang weggesperrt hatte, durfte der Kanzler mit der kürzesten Amtszeit in der Zweiten Republik in der ORF-Pressestunde unter anderem sein Scheitern erklären. Es überraschte nicht, dass er dies (mit Ausnahme von Fehleinschätzungen, die er seinem Parteigeschäftsführer Josef Kalina anlastete) ausschließlich der ÖVP zuschrieb, die ihn sein Kanzlerdasein über torpediert habe. Dass ihn die eigene Partei über die Klinge springen ließ, blendete Gusenbauer aus.
Ausblenden wollte er auch die problematische EU-Haltung der SPÖ, die er sozusagen als letzte Tat gemeinsam mit seinem Nachfolger Faymann brieflich einzementiert hatte. Nachdem in nächster Zeit kein wesentlicher EU-Vertrag anstehe, sei auch die Frage einer Volksabstimmung darüber keine zentrale Frage bei allfälligen Koalitionsverhandlungen. Das erinnert an Kinder, die die Augen schließen, um so Unangenehmes aus der Welt zu schaffen. So leicht will es sich einer machen, der seine berufliche Zukunft in der internationalen Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft sieht.

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